Fouilles archéologiques

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Der archäologische Stadtplan

Die ersten Pläne

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Plan von Avenches von Johann Caspar Hagenbuch, 1731.
Zentralbibliothek Zurich

In der Renaissance zog das aufgekommene Interesse für die Antike auch Besucher nach Avenches. Gelehrte und Humanisten jener Zeit kamen aus ganz Europa, um die Ruinen des antiken Aventicum zu besichtigen. Die ersten Darstellungen von den besonders charakteristischen Ruinen der Stadt, der sog. Storchensäule (Cigognier) und der Stadtmauer, erschienen zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Erst im 18. Jahrhundert wurden die ersten Pläne der Stadt erstellt, in die die archäologischen Denkmäler eingetragen waren. Einen der ersten Pläne zeichnete Johann Caspar Hagenbuch, ein von der Altertumswissenschaft begeisterter Theologe aus Zürich, im Jahr 1731.

Diese Begeisterung für die römische Vergangenheit kommt auch in einer Reihe von Plänen zum Ausdruck, die im 18. Jahrhundert von David Fornerod gezeichnet wurden. Dieser von den Berner Obrigkeiten beauftragte Geograf erstellte seinen ersten Plan um 1747. Ergänzungen erfolgten in den Jahren 1755 und 1769, nach den verschiedenen Entdeckungen, die durch archäologische Ausgrabungen, aber leider auch durch eine ganze Reihe von Raubgrabungen gemacht worden waren. Seine Pläne liefern wertvolle Informationen über die Topografie und die Flurbegrenzungen zu jener Zeit, darüberhinaus sind auch verschiedene Entdeckungen eingetragen wie das sog. Bacchus-und-Ariadne-Mosaik im Palast von Derrière la Tour und die Befunde in den Quartieren im Nordosten der antiken Stadt.

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Plan von Avenches von Erasmus Ritter (1786)

Die Pläne von Fornerod dienten Erasmus Ritter als Grundlage für seine einige Jahre später, im Jahr 1786 gezeichnete Karte. Dieser Berner Architekt wurde nach Avenches entsandt, um ein Verzeichnis der noch sichtbaren antiken Reste zu erstellen. Aufgrund seiner Arbeiten wurden zum ersten Mal in einem Plan die Reste des römischen Theaters lokalisiert und als solche identifizierbar.

Mit dem Aufkommen der modernen Topografie und der ersten dokumentierten Ausgrabungen wurden die Pläne im Laufe des 19. Jahrhunderts immer präziser. Auf einem Plan der Stadt von Avenches aus dem Jahr 1845 von dem Geometer Louis Duvoisin erscheinen zum ersten Mal die wichtigsten, im Verlauf der Ausgrabungen freigelegten Bodenfunde. Richtungsweisend war jedoch die Gründung der Association Pro Aventico im Jahr 1885. Dies war der eigentliche Beginn der wissenschaftlichen Erforschung der Struktur der antiken Stadt. So liegt mit dem von dem kommissarischen Draineur Auguste Rosset signierten archäologischen Plan aus dem Jahr 1888 das erste Dokument vor, das die Bezeichnung «archäologisch» wirklich verdient. Es handelt sich um einen topografischen Plan, auf dem die Reste antiker Bauten mit der Jahresangabe ihrer Entdeckung zu sehen sind. Dieser Plan liefert somit äusserst wertvolle Informationen über die alten Funde, von denen das Römermuseum von Avenches und seine Depots überquellen. Ein zweiter, noch genauerer Plan wurde von A. Rosset für die Weltausstellung in Rom im Jahr 1910 angefertigt. Ein Vergleich dieser Pläne macht deutlich, welche Anstrengungen die Association Pro Aventico zwischen dem Ende des 19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts unternommen hatte.

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Archäologischer Plan von Avenches von Auguste Rosset (1888)

Die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchgeführten Grabungen erlaubten es dem Kantonsarchäologen Louis Bosset im Jahr 1945, den ersten Plan von Avenches zu erstellen, in dem die schachbrettartige Anlage der antiken Stadt mit ihrem Netz rechtwinklig verlaufender Strassen eingezeichnet war. Der grösste Teil des Stadtgebietes war in gleich grosse Quartiere eingeteilt, die sog. insulae. Das Gesicht von Aventicum wurde langsam sichtbar…

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Gesamtplan von Aventicum, von Louis Bosset (1945)

Der wirtschaftliche Aufschwung in den 1960er Jahren führte zu einem Bauboom innerhalb des Stadt- wie auch des Industriegebiets von Avenches. Eine Vielzahl von Grabungen wurden durchgeführt, bei denen ganze Quartiere der römischen Stadt freigelegt werden konnten. Diese archäologischen Untersuchungen fanden in den vergangenen 25 Jahren ihre Fortsetzung an verschiedenen Stellen der römischen Stadt und ihrer Peripherie: entlang der Bauarbeiten der Autobahn A1, im Bereich einer neuen Industriezone «extra muros» sowie im Rahmen der Anlage eines Fernwärmenetzes. Während dieser ganzen Zeit wurde der archäologische Plan von der Archivarin und Zeichnerin der Fondation Pro Aventico, Madeleine Aubert, durch das Zusammentragen sämtlicher Daten auf dem neuesten Stand gehalten. Als Ergebnis dieser erfolgten archäologischen Grabungen wurde im Jahr 1991 der archäologische Plan publiziert.

Die Digitalisierung des archäologischen Plans erfolgte seit 2002; die Papierversion des Planes wurde vektorisiert, um mit dem Computer weiterbearbeitet werden zu können. Wie ist der Stand heute? Welche Hilfsmittel verwenden die Archäologen heute, um den archälogischen Plan von Avenches zu aktualisieren und zu visualisieren? Welche Fortschritte und Perspektiven gibt es in diesem Bereich ?

» Archäologischer Plan von Avenches (1:2500), Zustand Ende 2010

 
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Von unten nach oben:
1723 : Karte des Amtsbezirks von Avenches
1888 : Archäologischer Plan von Auguste Rosset
1945 : Archäologischer Plan von Louis Bosset
2012 a : Aktueller archäologischer Plan
2012 b : Situationsplan der archäologischen Grabungen

Die digitale Revolution

Der Zweck einer modernen archäologischen Karte ist es, die bei den verschiedenen Grabungen erstellten Pläne in einem einzigen Dokument zu vereinen, um eine Gesamtsicht zu erhalten, die die weitere Forschung erleichtern soll. Als unabdingliche Hilfsmittel dienen dazu heute die Informatik und insbesondere die geografischen Informationssysteme (GIS). Durch die GIS erhalten die archäologischen Karten eine interaktive Dimension, da die verschiedenen, auf der Karte dargestellten Daten einzeln abgefragt werden können.

In Avenches wird ein GIS seit 2008 genutzt. Zuallererst wurden die verschiedensten Daten eingegeben: von den alten archäologischen Plänen, die oben chronologisch aufgeführt wurden, bis hin zu nicht-archäologischen Daten wie beispielsweise das Kataster, Luftbilder, die geologische Karte oder die Höhenkurven. In die Datenbank gingen desweiteren sämtliche Informationen bezüglich der Ausgrabungen ein: das Grabungsareal, die topografischen Punkte sowie die unter Schutz gestellten Zonen und archäologischen Gebiete.

Das GIS ist somit ein nützliches Hilfsmittel für sämtliche im Zusammenhang einer archäologischen Grabung anstehenden Arbeiten und Aufgaben: Es dient der Vorbereitung einer Grabung und der Überprüfung der für die Erstellung genauer Pläne notwendigen Daten. Man kann damit auch Abbildungen für die verschiedenen Publikationen der Association Pro Aventico erzeugen wie z.B. Pläne für die Grabungsberichte.

Das GIS verwaltet darüber hinaus in optimaler Weise die von den verschiedenen Prospektionsarten erhaltenen Daten (Begehungen, Luftbilder, geophysikalische Methoden). Es ist auch für spezielle Untersuchungen ein äusserst praktisches statistisches Hilfsmittel, z.B. bei der Erstellung einer Verbreitungskarte im Fall einer Nekropole. Es erwies sich auch als sehr nützlich für die Verwaltung der Restaurierungen der noch sichtbaren Denkmäler der römischen Stadt.

Das in Avenches verwendete geografische Informationssystem, die moderne Version der archäologischen Karte, ist durch seine Flexibilität und sein Verwertungspotential das beste Hilfsmittel zur Verwaltung eines archäologischen Planes. Dessen Erstellung erfordert dennoch einen langen Atem: Bis zum endgültigen Update, das vom Voranschreiten der wissenschaftlichen Untersuchungen abhängig ist, wird es noch Jahre dauern. Das angestrebte Ziel ist und bleibt eine archäologische Karte zu erstellen, die die Geschichte der römischen Stadt, von ihren ersten Anfängen bis zu ihrem Niedergang, nachzeichnet…

Römermuseum Avenches
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Dienstag bis Sonntag - 14h - 17h
 
November bis Januar :
Mittwoch bis Sonntag - 14h - 17h. Geschlossen: 25., 26. und 31.Dezember; 1. und 2. Januar