Fouilles archéologiques

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Forschungsgeschichte

Avenches Amphitheater 18. Jh.
Das Amphitheater von Avenches.
Aquarellierte Zeichnung von E. Ritter (18. Jahrhundert)

Bereits im 16. Jahrhundert interessierten sich Gelehrte, Sammler und andere forschende Geister für die archäologischen Reste von Aventicum, der Hauptstadt des römischen Helvetien. Einer von ihnen war Aegidius Tschudi, der als der erste Historiker der Eidgenossenschaft gilt. Als er im Jahr 1536 in Avenches vorbeikam, machte er Abschriften einiger Inschriften von Aventicum. Im 17. Jahrhundert beklagten mehrere Gelehrte bereits die Zerstörungen an den Ruinen von Avenches, deren Steine als Baumaterial für die gesamte Region dienten.

Der für die Altertumswissenschaften begeisterte renommierte Epigrafiker Johann Caspar Hagenbuch, ein Zürcher Theologe, erstellte 1731 einen der ältesten Pläne von Avenches, in dem verschiedene Reste der römischen Stadt eingetragen sind.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts erforschte ein Gelehrter namens Samuel Schmidt zusammen mit seinem noch jungen Sohn Frédéric Samuel einen Teil des Palastes von Derrière la Tour und legte das prachtvolle sog. Bacchus-und-Ariadne-Mosaik (18 x 12 m) frei. Von dem heute verlorenen Mosaik wurden damals Zeichnungen von bemerkenswerter Qualität angefertigt.

Ausgrabungen in Avenches am Ende des 18. Jahrhunderts. Zeichnung von J.-E. Curty

Die ersten wirklich dokumentierten Ausgrabungen wurden in Avenches am Ende des 18. Jahrhundert durchgeführt: Der mit Bauaufnahmen der Altertümer von Aventicum beautragte Berner Architekt Erasmus Ritter (1726-1805) begann 1786 mit einigen Grabungen, die sich durch grosse Sorgfalt und Präzision und vor allem durch ihren wissenschaftlichen Anspruch auszeichneten. Sein im Jahr 1788 erschienenes «Mémoire abrégé et recueil de quelques antiquités de la Suisse» kann als erste wissenschaftliche Publikation über Aventicum bezeichnet werden.

Der ab 1780 in Avenches ansässige, für die Antike begeisterte englische Aristokrat Lord Spencer Compton von Northampton führte seinerseits ebenfalls systematische Grabungen durch, die durch die zahlreichen Zeichnungen der Ausgrabung und der Bodenfunde des Freiburger Malers Joseph-Emmanuel Curty aus den Jahren 1786 bis 1794 dokumentiert sind.

 
Grabungsarbeiten an der Stadtmauer und am Wehrgraben (1907)

Die Stadtmauer ist das erste archäologisch untersuchte Denkmal von Aventicum. Von 1830 bis 1840 fanden hier Grabungen statt. Weitere Grabungskampagnen folgten in den Jahren 1897 bis 1935, an deren Ende ein Teil des römischen Mauerstücks zwischen dem Osttor und dem Turm La Tornallaz, dem einzigen von 73 Türmen, der die Jahrhunderte überdauert hat, wiederaufgebaut werden konnte. Der Hauptzugang zur Stadt von Westen aus, das Westtor, wurde 1963-1964 bei der Erweiterung der Umgehungsstrasse von Avenches teilweise freigelegt.

 
Freilegung der Ruinen des Theaters
am Anfang des 20. Jahrhunderts

Die 1885 von einer Gruppe von Fachleuten gegründete Association Pro Aventico hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Altertümer von Aventicum zu erhalten, und führte seit 1890 systematische Ausgrabungen durch. Die ersten Grabungen fanden im Bereich des Theaters statt, das bereits ein Jahrhundert zuvor durch den Architekten Erasmus Ritter als solches identifiziert worden, jedoch durch den Steinraub zur Gewinnung von Baumaterial stark zerstört war.

1998-1999 wurden im Rahmen eines Sanierungsprojektes Sondierungen im Areal des Theaters durchgeführt. Dies bildete zugleich den Anlass zur vollständigen architektonischen Untersuchung des Theaters, die 2009 veröffentlicht wurde.

 
Grabungsarbeiten am Amphitheater im Jahr 1942

Das ebenfalls von E. Ritter im Jahr 1786 identifizierte Amphitheater wurde zwischen 1911 und 1918 sowie während des Zweiten Weltkriegs grossflächig freigelegt. Die 1983 begonnenen Untersuchungen führten zur Gesamtrestaurierung des Bauwerks, die in den Jahren 1987 bis 1994 vorgenommen wurde. Eine Studie zur Architektur des Amphitheaters erschien 2004.

 
Ausgrabungen am Cigognier-Heiligtum (1938-1940)

Von einem weiteren bedeutenden Baudenkmal des antiken Aventicum, dem Cigognier-Heiligtum, wurden in den Jahren 1938-1940 grosse Teile freigelegt. Die einzige Säule, die noch in situ steht, erscheint zum ersten Mal auf einem Stich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Das Ergebnis der Ausgrabungen und weiterer, 1975 und 1976 durchgeführter Sondierungen wurde 1982 veröffentlicht.

Die ersten Ausgrabungen an der bereits seit 1804 bekannten Fundstätte der Forumsthermen, der sog. Thermen von En Perruet in der insula 29, fanden 1953 statt. 1995 und 1998 wurden im Rahmen der Restaurierung und Erschliessung des Baudenkmals neue archäologische Untersuchungen durchgeführt.

Georg Theodor Schwarz leitete 1959 und 1960 Prospektionen im Gelände mit dem Ziel, das Strassennetz von Aventicum genauer zu erfassen.

Zwischen 1959 und 1968 mussten aufgrund der Ausweitung des östlichen Industriegebiets von Avenches eine Reihe von Notgrabungen im nordöstlichen Teil der römischen Stadt im Bereich der Wohn- und Handwerkerquartiere (Töpfereien, Ziegeleien) durchgeführt werden. Weitere archäologische Grabungen erfolgten in diesem Gebiet zwischen 1991 und 1995.

 
Freilegung eines Zieglerofens in den nord-östlichen Quartieren (1963)

In die Jahre 1967 und 1968 fällt die Entdeckung der frühmittelalterlichen Reste der Kirche Saint-Martin bei der Stilllegung eines Teils des Friedhofes von Avenches. Nicht weit davon entfernt – En Saint-Etienne – kamen Gräber zu Tage, die mit einem spätantiken Gebäude in Zusammenhang stehen könnten.

Von 1969 an musste die Fondation Pro Aventico, die nun für die archäologischen Grabungen zuständig war, in verschiedenen Wohnquartieren der römischen Stadt (insulae 3, 4, 7, 8, 9, 10, 13, 14, 15, usw.) eine Vielzahl von Rettungsgrabungen durchführen.

In den Jahren 1972-1985 wurden beim Forum die Thermen der insula 23 und das später darüber errichtete öffentliche Gebäude (schola, Bibliothek?) teilweise ausgegraben. Hier fand man einen Marmorkopf der Göttin Minerva.

Vom Forum selbst wurde nur der nördliche Teil der area sacra bei einer Notgrabung im Jahr 1972 erforscht. Dabei wurden mehrere Fragmente einer Gruppe überlebensgroser Statuen entdeckt, die aus tiberischer Zeit stammen und die kaiserliche Familie darstellen. 2003 konnten zu beiden Seiten des westlichen Haupteingangs des forum monumentale Gebäude nachgewiesen werden.

1985/1986 wurden in der insula 12 und den angrenzenden Quartieren Grabungen durchgeführt. Dabei fand man die Reste einer Bronzegiesserwerkstatt.

 
Werkstatt eines Bronzegiessers in der insula 12 (1985-1986)

Durch den Bauboom Ende der 1980er Jahre waren von 1989 bis 1991 grossflächige Rettungsgrabungen an der Fundstelle vom Palast von Derrière la Tour und in der angrenzenden insula 7 nötig. Die archäologischen Untersuchungen wurden in diesem Areal zwischen 1995 und 1997 sowie zwischen 2003 und 2004 fortgesetzt. Im Sommer 2010 fand im Rahmen der Sonderausstellung, die dem Palast gewidmet war, in einem Teilbereich der Anlage eine «öffentliche» Grabung statt. 230 Personen, darunter vor allem Kinder und Jugendliche, konnten einen ganzen Tag lang die Arbeit der Ausgräber kennenlernen.

 
Massive Fundamente des Thermenbereichs in der Palastvilla von Derrière la Tour (1989-1991)

Zwischen 1993 und 1997 konzentrierten sich mehrere Grabungskampagnen auf das Wohnquarter der insula 13, in dem sich eines der luxuriösesten Privathäuser von Aventicum befand. Die gut erhaltenen Reste der ältesten Thermenanlage der Stadt wurden 1994 im angrenzenden Quartier ausgegraben (insula 19).

 
Schwimmbecken im öffentlichen Gebäude der insula 19 (1994)

In diesen Jahren wurden in dem sich westlich der Wohnquartiere ausdehnenden Tempelbezirk auch einige der Kultbauten freigelegt, die sich am Hang des Hügels von Avenches befanden: das Heiligtum von La Grange des Dîmes (1992, 2004-2005), der Rundtempel (1992, 1999) und der Tempel von Derrière la Tour (1996). In nächster Nähe zur Anlage, die das Cigognier-Heiligtum und das Theater umfasst, wurden 1998 in der Flur Au Lavoëx zwei gallo-römische Umgangstempel und ein Portikusbau mit einer weiträumigen Umfriedung entdeckt.

 
Südtempel von Le Lavoëx (1998)

In diesem Kultbezirk mit mehreren Tempeln wurden ausserdem Reste von latènezeitlichen Bestattungen gefunden.

In demselben Areal kamen am Theater und in dessen direkter Nähe (insula 56) zwischen 1997 und 1999 bisher für Avenches neue Zeugnisse einer Besiedlung des Ortes im 4. Jahrhundert zu Tage, darunter ein Wehrgraben, der belegt, dass am Theater Umbauten zur Verteidigung vorgenommen wurden. Weitere Reste zeugen von einer kontinuierlichen Besiedlung in diesem Bereich der Stadt bis in das 7. Jahrhundert hinein.

 
Körpergräber im Friedhof von A la Montagne (2001-2002)

Von 2002 bis 2009 wurden aufgrund weitläufiger öffentlicher Bauvorhaben zahlreiche Suchschnitte im Bereich der römischen Stadt angelegt, vor allem an bis dahin noch unerfoscht gebliebenen Stellen. So wurde 2001-2002 intra muros in der Nähe einer Töpferwerkstatt in der Flur A la Montagne eine Nekropole entdeckt, die noch aus der Zeit vor dem Bau der Stadtmauer um 70/80 n. Chr. datiert.

Brunnen des 17. Jahrhunderts auf der Place de l'Eglise (2010)

Die geplanten Bauarbeiten im mittelalterlichen Marktflecken waren Anlass für systematische Grabungen, bei denen die Reste der zwei Haupttore der Stadt im 13. Jahrhundert freigelegt werden konnten, das sog. Tor von Payerne (2006) und jenes von Murten (2008). Im Jahr 2010 schliesslich wurde an der höchsten Stelle des Hügels von Avenches, an der Place de l’Eglise, ein 16 m tiefer Brunnen entdeckt. Mithilfe der Dendrochronologie konnte er in den Anfang des 17. Jahrhunderts datiert werden.

 

Grabungen extra muros

Luftbild der Kult- und Grabanlage von En Chaplix (1989)

Die archäologischen Forschungen in Avenches beschränken sich nicht nur auf das Gebiet intra muros der römischen Stadt.

So konnten zwischen 1973 und 1981 am antiken Ufer des Murtensees Hafenanlagen nachgewiesen werden, die sich ca. 1 km nördlich der Stadtmauer befanden. In demselben Areal wurde auch eine Nekropole ausgegraben.

Nicht weit davon entfernt, auf der Flur En Chaplix, konnte vor dem Bau der Autobahn A1 Yverdon-Morat ein grossflächiges Werkplatzareal entlang der Hauptstrasse, die durch das Nordosttor verläuft, untersucht werden. Bei den Ausgrabungen von 1987-1995 kam vor allem ein bedeutender Grabbezirk zu Tage, zu dem zwei riesige Mausoleen aus der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts, eine Nekropole sowie, auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstrasse, eine ältere Kult- und Gräberanlage gehören.

 
Grabungen am Kanal des 2. Jahrhunderts
in der Flur En Chaplix (1990)

200 m südöstlich von diesem Grabbezirk wurde in den Jahren 1990-1991 das obere Ende eines schiffbaren Kanals aus dem 2 Jahrhundert archäologisch erforscht. 1991 kamen in dessen Nähe die aussergewöhnlichen Reste einer Wassermühle aus der Mitte des 1. Jahrhunderts zu Tage und wenig später wurde eine Ziegelei mit zwei grossen Brennöfen freigelegt (2. Hälfte des 2. oder Anfang des 3. Jahrhunderts). Diese Anlagen gehörten vermutlich zu einer weitläufigen Villa suburbana.

Die am anderen Ende der Stadt gelegene grosse Westtor-Nekropole wurde in mehrjährigen Grabungskampagnen archäologisch erforscht (1992, 2000, 2005 und 2006). In dieser Zone, in der Flur Sur Fourches, konnten zwischen 2003 und 2005 die ersten spätlènezeitlichen Siedlungsreste nachgewiesen werden (Ende 2.-1.Jahrhundert v. Chr.).

Im Jahr 2008 wurden unter einem kurzen Stück der Stadtmauer rund 300 Pfähle ausgegraben. Durch die dendrochronologische Datierung (basierend auf der Messung der Jahresringe des Holzes) konnte der Bau der Anlage in die Zeit Sommer-Herbst des Jahres 76 n. Chr. datiert werden.

» Zeitangaben und Lokalisierung der wichtigsten Grabungsstätten von Avenches

Römermuseum Avenches
Postfach 237
CH - 1580 Avenches
 
T : +41 (0)26 557 33 00
F : +41 (0)26 557 33 13
musee.romain@vd.ch
 
April bis September :
Dienstag bis Sonntag - 10h - 17h
Ostermontag und Pfingstmontag geöffnet; ganze Woche geöffnet im Juni
 
Oktober und Februar bis März :
Dienstag bis Sonntag - 14h - 17h
 
November bis Januar :
Mittwoch bis Sonntag - 14h - 17h. Geschlossen: 25., 26. und 31.Dezember; 1. und 2. Januar