Porte de l'Est

Osttor

Neuer Stadtzugang mit Panoramablick

Porte de l'Est

Erbaut wurde das Osttor, um den an einer von Vespasian in Zusammenhang mit der Gründung der Kolonie neu angelegten Verkehrsachse gelegenen Stadtzugang zu schützen Bemerkenswert ist seine Situierung in beherrschender topographischer Lage, so dass vom Rheingebiet kommende Reisende, welche Aventicum von Osten her betraten, von hier aus das gesamte von der Stadtmauer umschlossene Gebiet mit seinen Monumentalbauten auf einen Blick erfassen konnten. Diese eindrucksvolle Rundsicht war zweifellos beabsichtigt und diente der Inszenierung des Reichtums und der Bedeutung der Stadt. Der östliche Zugang nach Aventicum war durch den Bau des Tores von der alten, in der Ebene befindlichen Strassenverbindung wegverlegt worden, weshalb im Bereich dieses älteren Strassenzugs nur ein kleines, einbogiges Tor, das sog. Nordosttor, errichtet wurde. Die neue, höher gelegene Trasse war deutlich weniger überschwemmungsgefährdet, da sie sich weit entfernt vom mändrierenden Fluss Chandon befand. Das dem Osttor entsprechende Westtor war bereits beim Betreten der Stadt von der Hügelage aus in der Ferne wahrnehmbar. Die beiden Tore bildeten die Endpunkte einer Durchgangsstrasse, die sich in mehrere Wege verzweigte. Einer dieser Wege führte ins Stadtzentrum mit seinen regelmässig angelegten Wohnquartieren und dem Forum; ein anderer umging die zentralen Stadtteile und mündete direkt in die im Westen gelegene Sakralzone, wo ab dem frühen 2. Jh. n. Chr. auch der Cigognier-Tempel und das mit diesem in Verbindung stehende Theater errichtet wurden.

Erst das Tor, dann die Stadtmauer

Wie die Befundlage zeigt, wurde das Osttor noch vor den daran anschliessenden Abschnitten der Stadtmauer errichtet. Dies zeigt, dass im Rahmen dieses wichtigen, in den Zeitraum nach 70 n. Chr. datierenden Abschnitts der Stadtentwicklung offenbar von Beginn weg das Bedürfnis bestand, den Verkehr über neu erschlossene Achsen durch das Stadtgebiet zu führen.

Rekonstruktion nach einem Vergleich mit einem Stadttor in Autun (F)

Porte de l'Est

Vom Osttor waren fast nur noch die Grundmauern erhalten geblieben, weshalb der Archäologe Louis Bosset in den 1910er Jahren Teile der Anlage bis zu einer Höhe von 2 m wieder aufbaute. Er legte auch einen Rekonstruktionsvorschlag für die stadtauswärts gerichtete Fassade vor, der stark von den – zum Teil deutlich älteren – Stadttoren von Aosta, Turin und vor allem von Autun (darunter die von Viollet-le-Duc restaurierte Porte Saint-André) inspiriert war.

Der Grundriss des heute im Gelände sichtbaren Monuments basiert auf den bei der Ausgrabung entdeckten Überresten. Die monumentale Toranlage war 28 m breit und 26 m tief; im Zentrum befand sich ein kreisrunder Innenhof mit einem Durchmesser von 11,6 m, der von zwei 3 m breiten, in der Antike wohl überwölbten Wagendurchlässen erschlossen war. Zwei vermutlich ebenfalls überwölbte Fussgängerdurchgänge (je 2,1 m breit) flankierten die beiden Durchfahrten und dienten wohl gleichzeitig als Unterbau für eine Galerie, die um den zentralen Innenhof herumlief und die Kontrolle der sich dort abspielenden Aktivitäten ermöglichte. Zwei weitere Durchgänge waren nur von der Innenseite der Stadtmauer her zugänglich sie endeten in polygonalen Türmen, welche beidseits des Tores der Stadtmauer vorgeblendet waren und so die Zugänge der Anlage von aussen her schützten. Von diesen Türmen aus waren zudem auch die umlaufende Galerie des Innenhofs und die Wehrgänge der anschliessenden Abschnitte der Stadtmauer erschlossen.

Kleinquaderwerk und Architekturordnung

Die bauliche Struktur der Toranlage bestand aus einer Kombination von kleinen Handquadern (opus vitattum) aus gelbem Kalkstein (calcaire hauterivien) für die sichtbaren, in antiker Zeit möglichweise verputzten Mauerflächen und grossen Blöcken aus Muschelkalkstein für die statisch beanspuchten Zonen, wie etwa die Turmfundamente, die Torgewände und die Türschwellen. Die Fassade des Osttors wies eine mindestens zweistöckige architektonische Ordnung auf, wovon Überreste von zwei unterschiedlichen Gebälktypen, Kapitellfragmente und weitere Architekturelemente aus weichem Kalkstein und aus weissem Jurakalk zeugen. Ebenso sind mehrere Relieffragmente aus Molasse-Sandstein erhalten, die zusammen mit einigen Buchstaben einer Inschrift, auch die politische Bedeutung des Monuments unterstreichen.

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