Musée romain

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Die Anfänge von Aventicum

Modell des oppidum vom Mont-Vully.
Foto Amt für Archäologie des Kantons Freiburg

Der Name Aventicum ist vom Namen der einheimischen keltischen Wassergottheit Aventia abgeleitet, die wohl Schutzgöttin der römischen Stadt war.

Die Gegend von Aventicum war schon in früheren Zeiten besiedelt. Der leichte Zugang zu den Wasserwegen - Flüsse und Seen - war ein bedeutender Faktor für die Entstehung von Gewerbe und Handel. Man fand zahlreiche Siedlungsspuren inner- und ausserhalb des römischen Stadtgebietes aus der Zeit vor der römischen Eroberung (aus der späten Bronze- und der Eisenzeit).
Im Jahr 58 v.Chr. verliessen die Helvetier, die sich im oppidum auf dem Mont Vully zusammengefunden hatten, das schweizerische Mittelland und zogen in Richtung Südwestgallien. In Bibracte (heute Mont Beuvray im Burgund) unterlagen sie dem Heer von Iulius Caesar und sahen sich gezwungen heimzukehren. Es ist anzunehmen, dass sich ein Teil der Helvetier auf dem Hügel Bois-de-Châtel südlich von Avenches nieder liess. Möglicherweise diente ihnen auch die Anhöhe von Avenches als Zufluchtsort.

Stempel des Töpfers L. Tettius Crito auf einem
Terra Sigillata-Teller aus Mittelitalien. Ende 1. Jh. v.Chr.

In die Zeit unmittelbar vor der ersten städtebaulichen Anlage, d. h. ins 1. Jh. v.Chr., datieren nur wenige Zeugnisse. Sie stammen aus religiösen Kontexten, aus Heiligtümern oder Gräbern, die sich am Ostabhang des Hügels von Avenches und in der Flur Au Lavoëx befanden. Dieses frühe Material besteht aus einheimischen, keltischen Objekten: Fibeln, bemalte Keramik oder feine Grautonware sowie Münzen. Darunter findet man auch Belege für die Handelsbeziehungen mit Italien und Gallien. Von besonderem Interesse ist der keltische Münzprägestempel. Aus dem gesamten keltischen Raum sind nur um die dreissig Exemplare bekannt, darunter auch eines vom Mont Vully. Es handelt sich um eine Stempelform, in der die Vorderseite eines keltischen Denars geprägt wurde.

 

Aus den Anfängen von Aventicum, vom Ende des 1. Jh. v.Chr. oder vom Anfang des 1. Jh. n.Chr., stammt ein Brandgrab, das im Siedlungsbereich gefunden wurde. Die Urne, eine kleine Keramikschale, enthielt die Aschenreste der Verstorbenen, darauf waren zwei Bronzefibeln deponiert.

Keltischer Münzprägestempel

Anhand des im Boden erhaltenen Holzes war es verschiedentlich möglich, das Fälldatum der Bäume zu bestimmen, die für den Bau der ersten bekannten Gebäude von Aventicum verwendet wurden. Die Ergebnisse dieser dendrochronologischen Analysen (Datierung der Jahresringe eines Holzes) zeigen, dass ab dem Jahr 5 n.Chr. die Bauarbeiten für die Hafenanlagen begonnen wurden. Im Winter 6/7 n.Chr. wurden die Hölzer für die Errichtung der ältesten bisher zu Tage gebrachten Häuser geschlagen, die bereits ins rechtwinklig angelegte Strassensystem eingefügt wurden.

 
Weihung für die Göttin Aventia
Deae/Aventiae/Cn(aeus) Iul(ius)/Marcellinus/Equester/d(e) s(ua) p(ecunia).
"Der Göttin Aventia. Gnaeus Iulius Marcellinus aus der Bürgerabteilung Equester, (hat dieses Denkmal errichten lassen) auf seine Kosten"

Die einheimische Bevölkerung

Die Mehrzahl der Einwohner der römischen Stadt Aventicum bestand aus einheimischen keltischen Helvetiern, die die Gegend schon vor der römischen Eroberung besiedelten; einen geringeren Anteil hingegen stellten die Römer, die vom Kaiser entsandt worden waren, um die Stadtentwicklung voranzutreiben. Die Romanisierung der Einheimischen vollzog sich innerhalb weniger Generationen. Rom verlieh zahlreichen aristokratischen keltischen Familien das römische Bürgerrecht, möglicherweise geschah dies gegen Leistung gewisser Dienste oder Abtreten von Land. Die einheimische Bevölkerung übernahm recht schnell die Sitten und Gebräuche ihrer Eroberer. Dennoch lebte die keltische Kultur weiter. Das keltische Erbe erscheint uns in der Kunst, der Religion, der Schrift, dem Kunsthandwerk, der Haartracht und der Kleidung.

Sprache und Schrift

Amphorenhals (1. Jh. n.Chr.) mit aufgemalter Inschrift,
die den Inhalt der Amphore angibt (garum, eine Sauce,
die aus in Salz eingelegten Fischstückchen gewonnen wird)
Excel(lens)/flos...
"Ausgezeichnete Blume..."

Die Helvetier sprachen Keltisch. Je nach Region benutzten sie sehr wahrscheinlich unterschiedliche lokale Dialekte. Es handelt sich im wesentlichen um eine gesprochene Sprache. Schriftliche Zeugnisse sind selten und geben uns nur wenig Aufschluss über die keltische Kultur. Die Kelten benutzten ursprünglich das griechische Alphabet. Mit der Ankunft der Römer wurde eine neue Sprache, Latein, eingeführt, die je nach Dichte der lateinsprechenden Bevölkerung von den Einheimischen verstanden und auch übernommen wurde.

Aus Aventicum sind keine Inschriften in keltischer Sprache bekannt. Was man manchmal findet, sind keltische Namen, die in einer Mischung aus griechischem und lateinischem Alphabet geschrieben sind.

Es ist anzunehmen, dass seit dem 1. Jahrhundert n.Chr. die Einwohner von Aventicum Latein verstanden. Dies belegen Grab-, Ehren- und Weihinschriften sowie Graffiti, die damals in alle möglichen Schreibunterlagen eingeritzt wurden.
Zum Schreiben verwendete man einen Griffel (stilus). Mit dem zugespitzten Ende ritzte man die Schriftzeichen in eine auf Holztäfelchen aufgetragene Wachsschicht ein, mit dem anderen, spatelförmigem Ende konnte man das Geschriebene löschen, indem man die Wachsschicht wieder glättete. Man konnte auch mehrere Täfelchen mittels einer Schnur zusammenbinden.
Auf Papyrus oder Pergament schrieb man mit dem calamus, einer Rohrfeder mit zugespitztem Ende, das man in das Tintenfass (atramentarium) tauchte. Dieses war aus Glas, Ton oder Bronze. Die Tinte, die vor dem Gebrauch mit Wasser vermischt wurde, stammte vom Tintenfisch, wurde aus Weinhefe gewonnen oder bestand aus einer Mischung aus Russ mit Harz.

Fragmente eines Kruges (2. Jh. n.Chr.) mit Graffito in Kapitalschrift
LAGO(NA) NICOMIIDIIS QVI ILLA IIMIIRIT
"Der Weinkrug des Nikomedes, der ihn wohlverdient"

Ein Buch (volumen) bestand aus mehreren zusammengeklebten Papyrus- oder Pergamentstreifen, die dann um einen Holzstab aufgerollt wurden.

Für in Stein gemeisselte Inschriften sowie für die Stempelinschriften auf Mörsern, Vasen, Amphoren, Ziegeln oder Metallgegenständen verwendete man die Kapitalschrift.
Ritzinschriften (Graffiti) oder Pinselaufschriften wurden im allgemeinen in Kursivschrift (mit Kleinbuchstaben) geschrieben, die man auch im alltäglichen Briefverkehr benutzte. Oft findet man auch Graffiti in Kapitalschrift.

In Siegelkapseln verwahrte man die Stempelsiegel zum Verschliessen von Schreibtäfelchen oder kleinen Päckchen. Zum Stempeln drückte man die vertiefte, negativ eingravierte Platte eines Siegelrings in Wachs.

Die Zeitmessung

Mosaikfragment mit der Darstellung der Tierkreiszeichen.
Nur die Fische, der Widder und der Stier sind antik,
die Zwillinge sind rekonstruiert. Um 200 n.Chr.
Palastvilla in der Flur Derrière la Tour
Leihgabe des Historischen Museums Bern

Der römische Kalender, der im Jahr 46 v.Chr. von Julius Caesar eingesetzt wurde, ist noch heute gültig und bestimmt mit geringfügigen Abweichungen unseren Lebensrhythmus: Das römische Jahr begann auch am 1. Januar und gliederte sich in zwölf Monate, deren Abfolge, Namen und Länge unverändert geblieben sind. Die Bestimmung eines Monatstages war jedoch recht kompliziert, da man die Tage nicht wie heute fortlaufend von 1 bis 31 durchnummerierte, sondern auf einen von drei Fixpunkten im Monat hin rückwärts zählte. Diese Fixpunkte hiessen: Kalenden (1. Tag des Monats), Nonen (5. oder 7. Tag, je nach Monat) und Iden (13. oder 15. Tag, je nach Monat).

Die Namen der Wochentage haben sich in den meisten romanischen Sprachen erhalten, z. B. französisch mardi, nach dem Tag des römischen Gottes Mars, oder mercredi, nach dem Tag des römischen Gottes Merkur. Im Deutschen wurden die Namen der römischen Göttter durch die entsprechenden germanischen ersetzt.

Ein Tag umfasste vierundzwanzig Stunden. Die Tageszeit erstreckte sich vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang und war in 12 Stunden eingeteilt, ebenso die folgende Nachtzeit. Demzufolge variierte die Länge einer Stunde je nach Jahreszeit und geographischer Lage des Ortes. Lediglich die Mittagsstunde (sexta hora) war fix. Im allgemeinen mass man die Zeit nach dem Grad der Helligkeit. Wollte man es genauer wissen, hatte man drei Geräte zur Verfügung: die feststehende oder transportable Sonnenuhr, die Sand- und die Wasseruhr (clepsydra).

Der Zodiakus oder Tierkreis stellt die in zwölf gleiche Teile geteilte Himmelzone dar. Die Benennung der einzelnen Bereiche entstammt der Verbindung von Astronomie und Astrologie, indem man ihnen die Namen der nächstgelegenen Sternbilder gab. Der aus dem Orient übernommene Zodiakus war in Rom im 1. Jh. v.Chr. als Motiv sehr beliebt und sollte sich bald über ganz Italien und in die Provinzen ausbreiten, man findet zahlreiche Darstellungen auf Reliefs, Mosaiken oder auf Schmuckstücken.

Masse und Gewichte

Schnellwaage aus Eisen, das Gegengewicht
besteht aus Eisen mit Bronzekern und
wiegt annähernd 2 1/3 Pfund (= 873,2 g)

Die römische Grundeinheit für das Längenmass war der Fuss (pes). Der genaue Wert eines pes weist geographisch und chronologisch bedingte Schwankungen auf. Zu Beginn unserer Zeitrechnung betrug er ungefähr 29,6 cm. Ein Fuss wurde unterteilt in zwölf Unzen (unciae), drei Unzen entsprachen einer Handbreite (palmus).

Zweieinhalb Fuss ergaben einen Schritt (gradus) und tausend Doppelschritte (passus) eine Meile (mille passus), das sind ungefähr 1478,5 m. Die Entfernungen zwischen den Städten wurden in Meilen berechnet und auf den sogenannten Meilensteinen angegeben. Die Leuge oder Wegstunde (leuca), eine keltische Masseinheit, ist nie ganz aus unseren Regionen verschwunden.

Zur Berechnung kürzerer Strecken benutzte man ein Lineal (regula) oder einen Zirkel (circinus). Mit diesem zog man nicht nur Kreise, man konnte mit ihm auch Längen übertragen. Das Bleilot (perpendiculum) ermöglichte es, zusammen mit einem Winkelmesser, senkrechte und waagrechte Flächen abzustecken.
Die Grundeinheit des römischen Gewichtssystems war das Pfund (libra), das 327,45 g entspricht; das Pfund wurde unterteilt in zwölf Unzen (unciae) zu 27,3 g. Die Gewichte wurden zuweilen mit einem Buchstaben oder einem Zeichen versehen, das den genauen Wert angibt. So wurde für ein Pfund das Zeichen "I" und für ein halbes Pfund (semis) ein "S" verwendet.

Die Händler und Marktleute verwendeten zum Wägen ihrer Ware zwei Arten von Waagen. Der am meisten verwendete Typus ist die Schnellwaage mit langem Balken und einer einzigen Waagschale (statera). Man nennt sie auch heute noch die römische Waage. Das Gewicht der auf einer schwenkbar befestigten Waagschale plazierten Ware wird durch Verschieben eines vom Waagebalken herabhängenden Gegengewichts bestimmt. Solche Schiebegewichte gab es in allen möglichen Formen, die einfachsten waren eichel- oder kugelförmig, es gab jedoch auch kunstvoll ausgestaltete, z. B. in Form einer menschlichen Büste. Ein weiterer damals bekannter Waagetyp ist die gleicharmige Waage (libra) mit zwei Schalen, die symmetrisch, in gleicher Entfernung von der mittleren Aufhängevorrichtung angebracht sind. Zum Bestimmen des Gewichts sind hier Gewichte verschiedener Grösse nötig.

Die Einheit für das Hohlmass war der quadrantal, der einer amphora entsprach (26,2 l). Die Hälfte einer amphora war eine urna (13,1 l) und ein Drittel ein modius (8,7 l). Ganz kleine Mengen wurden in Löffeln (cochlear) gemessen, der 0,0011 l enspricht.

Bronzegewicht mit der Markierung //,
das heisst zwei Pfund, also 654,9 g

Der Dodekaeder, ein Messgerät?

Der Dodekaeder ist ein dreidimensionaler geometrischer Körper mit zwölf gleichseitigen Fünfecken identischen Ausmasses. Er ist hohl und durchbrochen. Jede Seite besitzt eine runde Öffnung unterschiedlicher Grösse (von 0,9 cm bis 2,6 cm). Zehn Öffnungen werden gerahmt von konzentrischen Kreisen. Die zwei grössten, sich gegenüberliegenden Öffnungen weisen keine Spuren von Verzierung auf.

Soweit man bisher sagen kann, wurden alle uns bekannten bronzenen Dodekaeder in römerzeitlichen Fundstellen nördlich der Alpen, vor allem im Zentrum und Nordosten Galliens gefunden. Mehr als sechzig Exemplare sind bekannt. Da der Dodekaeder also nicht gerade selten, sein Verbreitungsgebiet jedoch beschränkt ist, kommt diesem Objekt besonderes Interesse zu.

Dodekaeder aus Bronze, gefunden in einem Haus in Aventicum

Die Frage nach der Funktion des Dodekaeders hat schon Generationen von Archäologen beschäftigt. Dekorationselement, Spiel oder Messgerät wurden in Erwägung gezogen. Man hat auch die Hypothese aufgestellt, dass es sich um einen Gegenstand für kultische Zwecke handeln könnte. Es wurden jedoch bisher noch keine Dodekaeder innerhalb oder im Umfeld eines Heiligtums gefunden. Heute vermutet man, dass diese Objekte Gerät im Dienst der Astronomie sein könnten. Die zwölf Seiten würden demnach die zwölf Monate des Jahres darstellen, die dreissig Kanten die Tage eines Monats. Nach einer jüngsten Deutung soll es möglich sein, mit dem Dodekaeder die Datenspanne ermitteln zu können, in die die Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst fallen.

Theater, Spiele und Musik

Öllampe aus Terrakotta,
mit einem Theatermask der Komödie verziert

"Panem et circenses", "Brot und Spiele", so lautete die Forderung des Volkes; die imperiale Politik folgte ihr mit ihren Beamten vor Ort und liess durch staatliche Gelder und Spenden Spiele und sonstige Vergnügungen veranstalten, um so die Massen ruhig zu halten, Auflehnungsbestrebungen zu verhindern und sich ihrer Gunst zu versichern.

Im Theater wurden Tragödien und vor allem Komödien gespielt. Die Schauspieler, die unter musikalischer Begleitung Verse deklamierten, hiessen histriones oder cantores und waren normalerweise Sklaven oder Freigelassene. Sie trugen Masken der Komödie oder Tragödie, von deren Aussehen wir uns sowohl durch die Nachbildungen in Marmor oder Terrakotta als auch durch die zahlreichen Abbildungen auf Tonvasen, Öllampen aus Terrakotta, Elfenbeinarbeiten, Wandmalereien, Mosaiken oder Steindenkmälern eine genaue Vorstellung machen können. Wie wir von den antiken Autoren wissen, existierten bis zu 28 verschiedene Maskentypen für Tragödien und 46 für Komödien.

Bronzestatuette eines Tragödiendarstellers:
auf dem Gürtel erscheint die Beischrift Dovecus
(oder so ähnlich), höchstwahrscheinlich sein Name.
Anfang 3. Jh. n.Chr.

Sehr beliebt waren auch andere szenischen Darbietungen, wie die Mimen und Pantomimen. Letztere bestand darin, alle verschiedenen, meist aus dem griechischen Mythos stammenden Personen in einer Art Tanz allein durch Gestik und Mimik darzustellen. Dazu trugen die Schaupieler reich bestickte Tuniken und Masken, mit denen fünf verschiedene Rollen verkörpert werden konnten. Der narrative Part wurde von einem Chor übernommen, der dabei von verschiedenen Instrumenten begleitet wurde. Dazu gehörten die Flöte, die Lyra, die Kithara und Zimbeln.

Beim Mimenspiel gab es dieselbe musikalische Begleitung wie beim Pantomimus, die Tänzer trugen jedoch keine Masken und sangen selbst. Die Handlung basierte hier nicht mehr auf Mythen, sondern auf Szenen des alltäglichen Lebens und war meist komisch, zuweilen sogar obszön.

Im Amphitheater wurden, zum Klang von Trompeten oder Orgeln, Gladiatorenspiele (munera) geboten, bei denen bis zum Tod eines Gegners gekämpft werden konnten. Die Gladiatoren setzten sich im allgemeinen aus Sklaven, Kriegsgefangenen und zum Tode verurteilten Schwerverbrechern zusammen. Es gab darunter aber auch junge Leute aus heruntergekommenen Patrizierfamilien, die glaubten, hier zu Ruhm und Ehren und zu schnellem Geld zu kommen.

In künstlichen wilden Landschaften wurden auch Tierhetzen (venationes) veranstaltet, bei denen man Tiere gegeneinander kämpfen liess: Raubtiere gegen Hirsche, Löwen gegen Tiger, Bären gegen Stiere, usw. Es konnten auch Menschen gegen Tiere, z. B. gegen Stiere, Bären, Panther, Tiger oder Löwen antreten.
Ein weiteres Vergnügen war der Zirkusbesuch, jedoch sind in Aventicum bisher noch keine Reste eines Zirkus entdeckt worden. Hier fanden in erster Linie Wagenrennen statt, aber auch andere sportliche Wettkämpfe wie Boxen, Ringen oder Wettläufe.

 
 

Musik war im Leben der Römer überall präsent. Sie diente nicht nur als Begleitung bei Aufführungen und Wettkämpfen, sondern kam auch bei öffentlichen oder privaten Feierlichkeiten zum Einsatz, wie z. B. bei Banketten, Hochzeiten, Begräbnissen, Triumphzügen, Prozessionen oder Opferhandlungen.

Die Fragmente einer Orgel, die in Aventicum zu Tage kamen, sind von besonderer Bedeutung. Aus der gesamten römischen Welt sind mit diesem nur drei solcher Instrumente bekannt.

 

Geld und Zahlungsverkehr

Das Münzsystem vom 1. bis 3. Jahrhundert

Das von Augustus für das gesamte römische Reichsgebiet neu organisierte Währungssystem umfasste Münzeinheiten aus Gold, Silber, Messing und Kupfer. Die Metallgehalt- und Gewichtsrelationen der einzelnen Einheiten waren untereinander klar festgelegt. So war es möglich, anhand der Metallfarbe den Nennwert zu erkennen. Messingmünzen (Sesterz und semis) z. B. besitzen den zweifachen Nennwert von Kupfermünzen (as und quadrans). Das augusteische Währungssystem blieb relativ stabil und behielt seine Gültigkeit bis ins 3. Jahrhundert. Erste leichte Wertverluste durch Gewichts- und Feingehaltsreduktionen zeichnen sich jedoch schon im Laufe der ersten beiden Jahrhunderte ab. Die seit dem Ende des 2. Jahrhunderts stärker zunehmende Geldentwertung führte im Jahr 214 n.Chr. unter Caracalla zur Einführung eines neuen Silbernominals, des sog. Antoninian, der dem Wert von zwei Denaren entsprach. Die galoppierende Inflation liess diese neue Münze bereits im 3. Jh. schnell an Wert verlieren. Unter Claudius II. Gothicus (268-270 n.Chr.) betrug ihr Silbergehalt nur noch 2%. Diese Entwicklung lässt sich an der Serie von Antoninianen gut nachvollziehen.

Kaiser Aurelian (270-275 n.Chr.) unternahm den Versuch, diese Entwertung zu bremsen, indem er einen neuen Antoninian einführte. Nachdem es dennoch nicht gelungen war, durch diese erneute Geldreform die Inflation einzudämmen, nahm Diokletian (284-305 n.Chr.) eine grundlegende Neuordnung des Münzwesens vor. Dieses System sollte über Jahrhunderte Bestand haben, wenn auch die einzelnen Einheiten bald wieder an Wert verloren.

Systeme monetaire
Das Münzsystem des römischen Kaiserreichs vom 1. bis 3. Jh. n.Chr.

Preise und Löhne

Es gibt leider nur wenige schriftliche Zeugnisse über Preise und Löhne in römischer Zeit, und noch seltener sind Angaben, die das Gebiet der heutigen Schweiz betreffen. Aus der römischen Stadt Pompeji, die durch den Vesuvausbruch im Jahr 79 n.Chr. völlig zerstört wurde, sind uns einige Preisangaben bekannt, die als Graffiti an den Häuserwänden angebracht waren :

Nahrungsmittel
Ol 1/3 L 1 Sesterz  
ein kleines Brot 1/2 Kg 1/4 Sesterz = 1 as
Tafelwein 1 mesure 1/4 Sesterz = 1 as
Falernerwein 1 mesure 1 Sesterz  
     
Tonwaren
Ollampe   1/2 Sesterz = 2 as
ein einfacher Teller   1/4 Sesterz = 1 as
kleines Trinkgefäss   1/4 Sesterz = 1 as
     
Kleidung
Tunika   15 Sesterz  
Waschen einer Tunika   4 Sesterz  
     
Verschidenes
Esel   520 Sesterz  
Sklave   2524 Sesterz  

Echte und falsche Münzen

Das Porträt des Kaisers und die Legende mit seinem Namen waren der Garant für den Geldwert einer Münze. Die Personifikation MONETA AUGUSTA (die kaiserliche Münze) trägt als Attribut eine Waage in der Hand. Sie ist ein Symbol für die imperiale Herrschergewalt und drückt gleichzeitig das stete Bemühen um die Kontrolle stabiler Münzwerte aus.

Eine besondere Entdeckung während der Ausgrabungen des Tempels in der Flur Derrière la Tour 1996 ist eine Münzwaage mit festem Gewicht, ein Beleg für die Kontrolle des Münzgewichts auch in Avenches. Mithilfe einer solchen Waage konnten zu leichte Denare erkannt und aus dem Verkehr gezogen werden. Nicht möglich war damit jedoch die Unterscheidung eines "guten" Silberdenars von einem falschen Denar aus versilbertem Kupfer oder einem gegossenen Denar, dessen Silbergehalt viel zu gering war. Diese verschiedenen Imitationen konnten sehr wohl dem erforderlichen Standardgewicht entsprechen. In Avenches, wie überall in den römischen Provinzen, waren falsche Denare in grosser Zahl in Umlauf. Es gab sogar Fälschungen, die kein Edelmetall enthielten, wie z. B. Münzen aus Eisen mit Kupferüberzug.

Geld ausgeben oder sparen ? Münzfunde geben die Antwort

Die Bewohner einer römischen Stadt gingen, nicht anders als auch wir heute, mit ihrem Geld auf verschiedene Art und Weise um. Es standen regelmässig Ausgaben an für die Dinge des täglichen Bedarfs, wie Essen, Kleidung, usw. Und wer es sich leisten konnte, legte etwas Geld beiseite.

Bei Grabungen findet man am häufigsten Kupfer-, Messing oder Bronzemünzen. Sie zeugen vom kleineren, täglichen Geldverkehr. Zusammen mit anderen Fundobjekten liefern diese zumeist stark korrodierten Münzen wertvolle Hinweise, v. a. für die Datierung einer Fundschicht. Manchmal hat man auch das Glück, auf einen ganzen Münzhort zu stossen, Münzen, die sich noch in einem Münzbeutel oder in einer Spardose befinden, oder auf einen regelrechten Schatzfund.

 

Rom und Aventicum

Der Kaiser, das Kaiserhaus und die Provinz

Rom übte auf unterschiedlichste Weise seine Macht und seinen Einfluss auf das Reichsgebiet aus. Ein rigoroses Ordnungssystem regelte die Verwaltung der Provinzen. Präsenz der Armee, Gesetzgebung, Amtssprache (Latein im Westen, Griechisch im Osten), Währungssystem, Standardmasse und das Steuerwesen wurden den Provinzen auferlegt. Von ihnen erwartete Rom absolute Loyalität und Unterwerfung unter die Herrschaft des Kaisers.

Urbs, ursprünglich einfach das lateinische Wort für "Stadt", war die übliche Bezeichnung für Rom, die Hauptstadt des Reiches. Sie wird häufig symbolisiert durch ein Bildmotiv aus dem Gründungsmythos der Stadt, durch die Wölfin, die die Zwillinge Romulus und Remus säugt.

Im Kaiserkult, den Augustus eingeführt hatte, drückte sich die ganze Macht des Herrschers und seiner Familie aus. Der Kaiser wurde schon zu Lebzeiten als Gott betrachtet. In Aventicum fand der Kult des Herrscherhauses wahrscheinlich im Cigognier-Heiligtum statt, wo man die Goldbüste des Kaisers Marc Aurel fand. Der Herrscher und die Mitglieder seiner Familie waren in der ganzen Stadt durch Statuen und Büsten präsent. Nur wenige davon sind uns erhalten geblieben. Bei einigen ist man sich über die Identifizierung einig (Marc Aurel, Agrippina Maior), andere sind jedoch noch umstritten. Der Kaiser liess sich entweder nackt wie ein Gott darstellen, oder wie ein Philosoph in der Toga aber auch in Rüstung als oberster General der Armee.

Porträts des Kaisers schmückten Münzen und Medaillons, deren Gültigkeit auf diese Weise garantiert wurde. Münzen waren ein ideales Propagandamittel, da sie nicht nur das Abbild des Herrschers verbreiteten, sondern auch auf politische und familiäre Ereignisse innerhalb des Herrscherhauses anspielten und moralische und ethische Werte vermittelten.

Die kaiserliche Familie spielte jedoch auch eine wirtschaftliche Rolle. Sie besass z. B. Steinbrüche, Weinberge oder Produktionszentren zur Herstellung von Olivenöl. Das Bleimedaillon, auf dem das Porträt der Antonia Minor dargestellt ist, der Mutter des Kaisers Claudius, gehörte wahrscheinlich zu einem Siegel, mit dem eine Warensendung verschlossen war, die unter kaiserlicher Protektion stand.

 

Darstellung der Kapitolinischen Wölfin, die Zwillinge Romulus und Remus säugend

Das Kalksteinrelief wurde im Innenhof der Palastvilla in der Flur Derrière la Tour entdeckt. Anfang 3. Jh. n.Chr. ?

Die Darstellung des Mythos von der wundersamen Rettung des Gründers Roms und seines Bruders ist ein Sinnbild des Römischen Reiches.

Kalksteinrelief der Lupa Capitolina. Anfang 3. Jh. n.Chr. ?
 
Porträt einer Prinzessin. 1. Jh. n.Chr.

Porträt einer Prinzessin

Marmorbüste. Gefunden 1847 im römischen Theater von Aventicum.
Kopie; das Original befindet sich im Latenium von Hauterive (NE).

Gesicht, Haare und Gewand waren bemalt. Rote Farbreste, die noch im Haar zu erkennen sind, stammen von der Grundierung für die ursprüngliche Vergoldung.
Die Gesichtszüge der jungen Frau waren durch sorgfältige farbige Modellierung besonders hervorgehoben. Sie trug ein blaugrünes Gewand.

Die Identifizierung dieses qualitätsvollen Porträts ist umstritten.
Es könnte Iulia dargestellt sein, die Tochter des Drusus Minor und der Livilla. Sie heiratete 21 n.Chr., im Alter von 15 Jahren Nero Iulius Caesar, den Sohn des Germanicus, der im Jahr 23 n.Chr. als Kronzprinzen designiert, später jedoch zum Staatsfeind erklärt und dann verbannt wurde.

 
Agrippina Maior. Marmorstatue.
2. Viertel 1. Jh. n.Chr.

Agrippina Maior

Marmorstatue. Gefunden im Norden des Forums von Aventicum. 2. Viertel 1. Jh. n.Chr.

Monumentalstatue von ca. 2,75 m Höhe, deren Porträtkopf vermutlich die Züge der Agrippina Maior, der Gattin des Germanicus, trägt.
Sie war die Mutter des Kaisers Caligula (37-41 n.Chr.) und der Agrippina Minor, die ihrerseits die Mutter des Kaisers Nero (54-68 n.Chr.) war. Die Skulptur gehört zu einer Statuengruppe, die drei oder vier Mitglieder der kaiserlichen Familie darstellte.

 
Beinfragment einer kaiserlichen Reiterstatue.
Vergoldete Bronze. 2. Jh. n.Chr.

Reiterstatue

Beinfragment aus vergoldeter Bronze. Gefunden beim Palais von Derrière la Tour. 2. Jh. n.Chr.

Erhalten ist nur das rechte Bein des Reiters. Der Typus der Reiterstatue folgt einem bekannten Schema; das am besten erhaltene Beispiel ist die Reiterstatue des Kaisers Marc Aurel vom Kapitol in Rom.

 
Goldbüste des Kaisers Marc Aurel.
Cigognier-Heiligtum. 2. Jh. n.Chr.

Marc Aurel

Kopie der Goldbüste, gefunden 1939 in einer Kanalisation innerhalb des Cigognier-Heiligtums. Treibarbeit. Um 180 n.Chr.

Die Religion

Die orientalischen Kulte

Um die Mitte des 2. Jhs. n.Chr. verlor die keltische Religion ihre Anziehungskraft und konnte die Erwartungen der Gläubigen nicht mehr befriedigen. So erklärt sich auch der Erfolg der neuen, aus dem Osten stammenden Religionen, die es verstanden, die Ängste der Menschen zu besänftigen und die auch den Schwächsten und Ärmsten ein glückliches Leben im Jenseits in Aussicht stellten.

Während den Kulten der ägyptischen Götter Isis und Serapis, des Iuppiter Ammon oder des Sabazius in Gallien ein etwas geringerer Erfolg beschieden war, konnten die Mysterienkulte der Cybele, des Attis und des Mithras zahlreiche Anhänger auf sich vereinigen.

 

Römische Religion

Caduceus aus Silber, Attribut des Merkur.
Tempel der Grange-des-Dîmes

Die Römer verehrten zahlreiche Götter sowohl im öffentlichen Leben als auch im häuslichen Bereich. Die römische Religion war sehr komplex, da sie neben den alten römischen Kulten auch griechische und etruskische Elemente in sich vereinte, die nicht immer klar voneinander zu trennen sind. Neben zahlreichen kleineren Gottheiten standen allen voran die Hauptgötter, allen voran Kapitolinische Trias mit Iuppiter, Iuno und Minerva; weitere sehr beliebte Götter waren Mars, Venus, Apollo, Merkur und Bacchus.

In den Provinzen sind Religion und Mythologie nie rein römisch. Vielmehr sind römische und einheimische Götter miteinander verschmolzen. Ob es nun die Römer waren, die die angefundenen einheimischen Götter den ihren gleichsetzten, wie es Iulius Caesar im Fall von Gallien tat, oder ob es umgekehrt war, ist schwer zu sagen.

Ein gutes Beispiel für diese Verschmelzung sind Inschriften, in denen der alte keltische Göttername als Beiname neben dem Namen der römischen Gottheit erscheint, wie z. B. Mercurius Cissonius, Mars Gradivus oder Mars Caisivus.

Iuppiter ist der oberste Himmelsgott. Er wird von Caesar unter den fünf Hauptgottheiten Galliens angeführt. Sein Kult ist in unserer Region durch Inschriften und zahlreiche Darstellungen gut belegt. Eine der am weitesten verbreitete zeigt ihn als Reiter mit dem Blitzbündel in der Hand über einen besiegten Giganten dahinsprengend. In Aventicum wurde eine Säule gefunden, die von einer solchen Gruppe bekrönt war. Iuppiter wird hier als der Himmelsgott verehrt, der die Mächte der Unterwelt besiegt hat.

Merkur ist der Schutzgott der Reisenden und der Gewerbetreibenden, bei den Galliern gilt er als der Erfinder aller Künste. Nach Julius Caesar war er der Hauptgott der Gallier. Man erkennt Merkur an seinem Reisehut (petasus), der mit kleinen Flügeln versehen ist, die manchmal auch in den Haaren sitzen, des weiteren an seinem Stab (caduceus) und am Geldbeutel, den er mit einer Hand fest umschlossen hält.

Bronzestatuette eines Silens.
Ende 2. Jh. n.Chr.

Bacchus ist der Gott des Weines. In seinem Gefolge befinden sich Silene, Satyrn und Mänaden. Sein Kult scheint in unserer Gegend wenig verbreitet zu sein. Bildwerke mit bacchischer Thematik sind jedoch keineswegs selten. Bacchus ist erkennbar an den Weintrauben und an den Weinblättern, die seine Haare schmücken.

Minerva ist die Göttin der Gerechtigkeit und der Weisheit. Wie Julius Caesar schreibt, wurde sie von den Galliern als Schutzgöttin des Handwerks verehrt. Darstellungen der Göttin folgen alle dem gleichen, alten griechischen Bildschema: sie trägt einen Helm, die Ägis mit dem Haupt der Medusa, eine Lanze und einen Schild.

Apollo, zuständig für die Künste und die Musik, gilt bei den Römern ebenso wie bei den Galliern auch als Heilgott. Man findet ihn in dieser Funktion vielfach in Zusammenhang mit Heilbädern oder Thermen. In Aventicum wird sein Name in einer Weihinschrift für Ärzte erwähnt.

Mars gehört als Kriegsgott zu den fünf grossen Göttern der Gallier. Wird er auch vergleichsweise weitaus seltener dargestellt als Merkur, so begegnet uns sein Name doch in zahlreichen Inschriften, assoziiert mit einer Vielzahl von Beinamen keltischen Ursprungs.

 
Versilbertes Bronzeplättchen mit eingravierter Weihinschrift für Mars Gradivus. Ende 2. - Anfang 3. Jh. n.Chr.
Mars Gradive pate[r--- /hanc patriam civ[esque---]/inclute bellator[---/
imperio monitus m[erito---?]/Sex(tus) Tetricius donum [dedit---?].

"Mars Gradivus, Vater … meine Heimat und seine Bürger, … berühmter Krieger; verdientermassen berufen zur Ordnung(?), (bringt dir) Sextus Tetricius (dies) als Geschenk".

Statue der Göttin Minerva

Kopf, rechter Unterarm, Medusenhaupt, Füsse und Finger der linken Hand aus Marmor.
Ursprüngliche Höhe der Statue: 2,80 m.

Sogenannte Akrolith-Statue. Nur die sichtbaren Körperteile sind aus Marmor gearbeitet. Der Kern der Skulptur bestand wahrscheinlich aus Holz und war durch ein Stoffgewand bedeckt. 2. Jh. n.Chr.?

Kopf einer Akrolith-Statue der Göttin Minerva.
Marmor. 2. Jh. n.Chr.
 

Mythologische Figuren

Herkules wird mit dem keltischen Gott Ogmios gleichgesetzt, der dieselben Attribute, nämlich Löwenfell und Keule, besitzt. Vom Aussehen unterscheidet sich Ogmios nur dadurch, dass er etwas älter als Herkules dargestellt wird.

Die Dioskuren, eine andere Bezeichnung für Castor und Pollux, genossen in Gallien besondere Verehrung als Gestirnsgötter und als Beschützer der Seeleute und der Reiter.

 

Schutzgötter des Hauses und ihre Kulte: Lararien und Hauskapellen

Eine besondere Rolle im Leben der Römer spielten die Laren und Penaten, die Schutzgottheiten über Heim und Herd. Die Hauskapelle, das Lararium, befand sich meist im Zentrum des römischen Hauses, im atrium. Das Familienoberhaupt vollzog während der Hauptmahlzeit das Gebet vor dem Lararium, in dem Statuetten verschiedener Gottheiten aufgestellt waren. Darunter befanden sich meist mindestens ein Lar und manchmal auch das Porträt eines Ahnen.

 

Ein reichbestücktes Lararium, das in einem Privathaus in Aventicum gefunden wurde, ist im 2. Stock ausgestellt.

Die einheimischen Götter

Weihinschrift für die keltische Gottheit Anechtlomara. Kalkstein.
Anextlomarae/et Aug(usto)/Public(ius) Aunus.
"Der Anechtlomara und dem Kaiser. Publicius Aunus (liess dieses Denkmal errichten)".

Die keltische Religion war ebenso polytheistisch wie die römische. Da wir jedoch über keine keltischen religiösen Texte verfügen, müssen wir uns mit den Ausführungen von Julius Caesar in seinem "Gallischen Krieg" (Buch VI, 17) begnügen, in denen er die wichtigsten fünf Götter der Gallier aufzählt und kurz beschreibt. Dabei verlieh er ihnen die Namen der römischen Götter, die ihm hinsichtlich ihrer Eigenschaften am besten vergleichbar erschienen: Merkur, Apollo, Mars, Iuppiter und Minerva.

Daneben gab es jedoch zahlreiche weitere keltische Gottheiten, die auch noch nach der Romanisierung verehrt wurden. Zum Teil kennen wir ihre Namen oder Wirkungsbereiche nicht. Einige finden sich im gesamten von den Römern beherrschten keltischen Raum, wie Sucellus, Epona oder Lug; andere wiederum waren offenbar lokale Gottheiten, wie Anechtlomara oder Aventia, die die namengebende Göttin von Aventicum ist.

Unter den Römern herrschte weitestgehend Religionsfreiheit, lediglich der Kaiserkult war den Provinzen auferlegt; er diente in erster Hinsicht dazu, die Loyalität gegenüber Rom zu demonstrieren.

Terrakottastatuette der Göttin Epona auf einem Pferd

Anechtlomara bedeutet: die grosse Beschützerin. Sie steht den Gottheiten des Wohlstands und Reichtums nahe.

Der hilfreiche Geist im Kapuzenmantel (genius cucullatus) trägt ein typisch keltisches Gewand. Sein Wirkungsbereich liegt vor allem in der Fruchtbarkeit und Heilkunst; er geleitet auch die Toten ins Jenseits.

Epona, die Göttin der Pferde erfreute sich grösster Beliebtheit bei Reitern und vor allem bei Soldaten. Man kann sie mit keiner römischen Gottheit in Verbindung bringen. Sie wird immer als Amazone auf dem Pferd dargestellt.

Weibliche Gottheiten der Fruchtbarkeit und des Wohlstands: Sie werden ganz unterschiedlich dargestellt. Es gibt den Typus der nackten jungen Frau, deren Darstellungsweise jener der Venus entspricht, und den Typus der reifen Frau mit Füllhorn, in Anlehnung an die Darstellungen der Göttin Fortuna; diese Gottheit kann auch als Mutter oder Amme mit einem säugenden Kind an der Brust erscheinen.

Bronzebüste einer einheimischen Gottheit. 2.-3. Jh. n.Chr.

Der dreigehörnte Stier ist in Gallien weit verbreitet. In ihm kommt durch das dritte Horn die Kraft der Fruchtbarkeit symbolisch zum Ausdruck.

Sucellus, " der gute Hämmerer ", hält in der einen Hand einen Hammer und in der anderen ein Gefäss; neben ihm steht ein Hund. Einige Darstellungen zeigen ihn darüberhinaus noch mit einer Tonne oder Amphore. Sucellus ist der Gott der Wälder und wird in einigen Gegenden mit Silvanus gleichgesetzt. Er war aber offenbar auch der Schutzgott der Handwerker.

Votivdepot mit ca. hundertzwanzig Tonobjekten (Krüge, Kelche, Ständer und Lampen).
Diese Weihgaben wurden zusammen mit einem kleinen Steinaltar
mit einer Weihinschrift für Mercurius Cissonius entdeckt

Das Christentum

Es ist nicht bekannt, zu welchem Zeitpunkt die christliche Religion im Gebiet der Helvetier eibgeführt wurde. Ein einziges frühes Zeugnis sind die Ritzinschriften auf zwei Gläsern, die zu den Grabbeigaben einer jungen, gegen Mitte des 4. Jhs. Verstorbenen Frau gehörten. Später, im 6. Jh., war Avenches Sitz eines Bischofes; der letzte Bischof, Marius, wurde 594 nach Lausanne versetzt.

Plan des hauptsächlichen Kultbezirkes von Aventicum

Die Heiligtümer von Aventicum

Nicht weniger als sieben Tempel liegen im Bereich zwischen dem Stadthügel von Avenches und dem Theater.

Ein weiterer Tempel befand sich auf dem Forum, zwei andere sowie ein kleinerer Kultbau befanden sich bei der Nekropole von En Chaplix, östlich der Stadt.

Der Kaiserkult hatte sehr wahrscheinlich seinen Sitz im Cigognier-Heiligtum, wo auch die Goldbüste des Marc Aurel gefunden wurde. Welchen Gottheiten dieser und die anderen Tempel geweiht waren, wissen wir nicht.

Von der Spätantike ins frühe Mittelalter

Vitrine mit Funden aus der Spätantike und dem frühen Mittelalter

Um die Mitte des 3. Jhs. zeigte sich das Römische Reich allgemein geschwächt.

Die Alamanneneinfälle ins schweizerische Mittelland seit 260 n.Chr. setzten der Blütezeit von Aventicum ein Ende; die Stadt wurde jedoch nicht völlig zerstört. Man setzt das historische Ende der römischen Herrschaft in unserer Region in das Jahr 455, als Rom offiziell auf die Gebiete der früheren germanischen Provinzen verzichtete. Aventicum behielt eine regionale Bedeutung; die Stadt war bis in das Jahr 594 Bischofssitz.

Das bewohnte Areal von Aventicum beschränkte sich seit dem Ende des 3. Jhs. auf das Gebiet zwischen dem Westtor, dem Theater und dem Amphitheater. Archäologisches Fundmaterial aus dem 4.-6. Jahrhundert fehlt fast völlig. Man kennt nur spärliche bauliche Strukturen.

Teile einer Wandverkleidung aus Marmor gehörten wohl ursprünglich zur Innendekoration einer Kirche oder eines öffentlichen Gebäudes aus dem Ende des 4. oder aus dem 5. Jh.

Zahlreiche Fundgegenstände geben uns Aufschluss über das Alltagsleben jener Zeit. Unter der Keramik des 4. Jhs. findet man noch Importware, die im 6./7. Jh. von den lokalen Erzeugnissen offensichtlich verdrängt wird. Es existiert weiterhin eine Produktion von Glasgeschirr. Verschiedenste Gegenstände wurden auch aus Bein gefertigt wie Kämme, Nadeln und Messer. Fibeln waren zum Zusammenheften von Gewandstücken ausschliesslich Beamten vorbehalten, ganz im Gegensatz zu den Fibeln aus dem 1.-3. Jahrhundert, wie man sie in der zweiten Etage des Museums sehen kann und die ein Bestandteil der weiblichen Tracht waren. Eine bronzene Gürtelschnalle aus dem 6. Jh. ist fränkischer Herkunft. Münzen aus jener Zeit sind recht zahlreich vertreten.

Beinerner Kamm. 4.-5. Jh. n.Chr.
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