Musée romain

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Geschichte der Sammlung

Die Zeit der Pioniere

Portrait de Dompierre
Porträt von François-Rodolphe de Dompierre

Bis zur Einführung eines Gesetzes im Jahr 1898 zur Erhaltung von Denkmälern und Kunstobjekten von historischem oder künstlerischem Wert, und des Schweizerischen Zivilgesetzbuches im Jahr 1912, das den Rechtsanspruch des Staates auf alle Bodenaltertümer verankert, gehörten die Objekte den Besitzern des Grundes, auf dem sie gefunden wurden. Sehr oft wurden sie an den Meistbietenden verkauft. So gelangten viele „Altertümer“ an Sammler in der Schweiz oder in Privatsammlungen im Ausland.

1824 beschliesst die Gemeinde Avenches diese verstreuten Objekte wieder zurückzuholen und in einem ersten Museum, dem sogenannten „Musée du Cercle Vespasien“, aufzubewahren. Dieses Museum, dessen Sammlung Besitz der Gemeinde Avenches ist, wird dem ersten Konservator der Altertümer des Kantons Waadt, François-Rodolphe de Dompierre (1822-1844), unterstellt.

Im Jahr 1838 übernimmt schliesslich der Kanton Waadt die archäologische Sammlung von Aventicum und bringt sie im Turm am Amphitheater unter.

Plan archéologique
Ausschnitt aus dem archäologischen Plan
von Avenches aus dem Jahr 1845

Emmanuel D’Oleyres, Vorsteher des Districts von Avenches, Inspektor des kantonalen Baudepartements, war lange Zeit die rechte Hand von François-Rodolphe de Dompierre. Er wohnte vor Ort und konnte daher besser gegen Raubgrabungen vorgehen und die Grundbesitzer dazu bewegen, die auf ihrem Grund gefundenen Objekte an das Museum zu verkaufen. Als er die Nachfolge von Dompierre als Konservator antrat (1844-1852), liess er unter anderem einen Plan erstellen, im dem die wichtigsten, bei den Grabungen von 1845 freigelegten Befunde eingetragen wurden. Nach seinem Tod im Jahr 1852 blieb die Position des Konservators des Museums über zehn Jahre unbesetzt.

1852 wird Frédéric Troyon, der sich sehr für die Antike interessierte und die erste wissenschaftliche Publikation archäologischer Grabungen im Kanton Waadt verfasste, zum Konservator des kantonalen Museums für Antiken in Lausanne ernannt. Noch in demselben Jahr kommt er nach Avenches, um die Inventarisierung der Sammlung des Museums voranzubringen. 884 Objekte werden dabei aufgenommen.

Die Zeit des Inventars

Portrait d'Auguste Caspari
Porträt von Auguste Caspari

Auguste Caspari, Apotheker, bringt Ordnung in die Sammlung und treibt die Inventarisierung der Grabungsfunde weiter voran (1862-1888). Seine vorrangige Aufgabe besteht darin, mit den Grundbesitzern um den Ankauf von Fundstücken durch das Museum zu verhandeln. Durch sein Engagement vergrössert sich die Sammlung von 884 auf über 2’000 Objekte, wobei die Münzen hier nicht mitgezählt sind. Trotz der vom Kanton Waadt in Avenches eingesetzten Konservatoren gelingt es nicht, die römischen Altertümer ausreichend zu schützen. Die Raubgrabungen gehen weiter und die dabei gefundenen Objekte gelangen weiterhin an unbekannte Orte.

Führende Persönlichkeiten prangern diese Zustände an und bemängeln das Fehlen von systematischen Ausgrabungen. Sie fordern die Behörden auf, einen festen Fond zu gründen, mit dem archäologische Forschungen finanziert werden können – doch leider umsonst. Die einzige Möglichkeit, die sich damals noch bietet, ist, ein breiteres Publikum anzusprechen und es dazu zu motivieren, sich zu einer Vereinigung zur Rettung der Altertümer von Aventicum zusammenzuschliessen. Am 3. September 1885 wird die Association Pro Aventico gegründet, der es zu verdanken ist, dass die Überreste der antiken Hauptstadt noch heute zu sehen sind.

Der Nachfolger von Auguste Caspari, Louis Martin (1888-1900), Lehrer, beschäftigt sich erstmalig systematisch mit dem Bestand der Museumssammlung, die der Öffentlichkeit bis dahin kaum bekannt ist. Es ist das Verdienst Martins, 1890 die ersten Kataloge der Objekte aus Bronze verfasst zu haben, denen im Jahr darauf jene zu den Marmorobjekten und den Mosaiken folgten. Besonders beachtenswert bleibt jedoch seine Publikation der Münzsammlung, die über 1’100 Stücke umfasste.

 
Relief de la Louve
Das bekannte, 1862 im Palast von Derrière la Tour entdeckte Relief der Kapitolinischen Wölfin gelangte erst im Jahr 1896
in das Museum von Avenches, nachdem der Kanton Waadt es von dem Eigentümer des Geländes, aus dem der Fund stammte,
erworben hatte (Zeichnung, 1867)

Die Zeit der Strenge

Portrait de François Jomini
Porträt von François Jomini
Buste de Marc Aurèle
Entdeckung der Goldbüste des Marc Aurel
im April 1939

Eines der vorrangigen Ziele von Pfarrer François Jomini ist die Erweiterung der Museumssammlung. Er zögert auch nicht, dafür tief in seine eigene Tasche zu greifen und seine Ankäufe sogleich dem Museum zu schenken. Die Sammlung wächst in dieser Zeit beträchtlich (1900-1913). Die grösste Sorge bereitet Jomini jedoch, dass die Funde von Aventicum immer noch aus Avenches verschwinden. Er bemüht sich daher beständig darum, dass man gesetzlich dagegen vorgeht. Anfang der 20er Jahre beginnt die Situation allerdings schwieriger zu werden: Der Lehrer Ernest Grau begnügt sich damit, das Museum zu verwalten (1913-1937).

Auf Betreiben von Louis Bosset, Architekt in Payerne und Kantonsarchäologe und vom Lehrer Jules Bourquin (1937-1950) werden die Grabungen wieder aufgenommen. In Avenches wird 1938 ein Arbeitslager eingerichtet, zunächst für Arbeitslose und dann, drei weitere Jahre, für internierte französische Soldaten, die für die systematischen Grabungen eingesetzt wurden, bei denen das Theater und das Amphitheater untersucht wurden. Diese parallel zu den Grabungen am Cigognier- Heiligtum durchgeführten Untersuchungen ergaben, dass die berühmte Säule zu einem prächtigen Tempel gehörte, und führten zur Entdeckung der Goldbüste des Marc Aurel im Jahre 1939.

Die Zeit der Forschung

Dépôt
Das Sammlungsdepot des Römermuseums von Avenches

Die zweite Hälfte des 20. Jh. ist geprägt von grösseren Umbaumassnahmen innerhalb des Museums. Im Dachgeschoss werden ein Büro und ein Magazin eingerichtet, die Räume der ersten und zweiten Etage werden renoviert. Die Ausstellungsgestaltung und Museographie übernahm Victorine von Gonzenbach, unter der Leitung des Architekten Pierre de Sybourg (1951-1960). 1995 wird das 150-jährige Jubiläum des Römischen Museum von Avenches gefeiert. Unter Anne Hochuli-Gysel (ab 2007 Anne de Pury-Gysel; 1995-2010) wurden die von ihrem Vorgänger Hans Bögli (1964-1995) in Gang gesetzten Arbeiten vollendet: Die Ausstellungsräume werden neu eingerichtet, das museale Konzept ist klar, schlicht und modern. Die Sammlung vergrössert sich erheblich aufgrund der zahlreichen Funde, die bei den Grabungen der 60er Jahre im neuen Industriegebiet sowie beim Bau der Autobahn A1 am Ende der 80er Jahre zu Tage kamen. Weitere Objekte kamen aufgrund des Baubooms in den 90er Jahren hinzu. Die Museumssammlung umfasst heute mehrere hunderttausende Objekte, von denen nur ein winziger Teil für die Besucher zugänglich ist.

Direktorin des Site et Musée romains d’Avenches ist seit 2010 Marie-France Meylan Krause. Sophie Delbarre-Bärtschi leitet als Konservatorin seit 2008 die Sammlung.

Römermuseum Avenches
Postfach 237
CH - 1580 Avenches
 
T : +41 (0)26 557 33 00
F : +41 (0)26 557 33 13
musee.romain@vd.ch
 
April bis September :
Dienstag bis Sonntag - 10h - 17h
Ostermontag und Pfingstmontag geöffnet; ganze Woche geöffnet im Juni
 
Oktober und Februar bis März :
Dienstag bis Sonntag - 14h - 17h
 
November bis Januar :
Mittwoch bis Sonntag - 14h - 17h. Geschlossen: 25., 26. und 31.Dezember; 1. und 2. Januar