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MACHT !

 Begleitheft (2. Stock) (PDF)

 Wer könnte das Prinzip Macht besser verkörpern als ein römischer Kaiser? Beginnend mit Augustus im Jahr 27 v. Chr. vereinigen auch seine Nachfolger alle Macht in ihrer Hand: die politische, die gerichtliche, die militärische sowie die religiöse.

Von den republikanischen Konsuln übernimmt er die Legislative. Er kann in allen Bereichen gesetzgeberisch tätig sein und Rechtsvorschriften erlassen. Er konsultiert den Senat nur, wenn er es für nötig hält. 

Der Kaiser hat die oberste Befehlsgewalt über die Truppen (imperator). In seiner Funktion als Pontifex Maximus hat der Kaiser die Oberaufsicht über die öffentlichen Kulte und das religiöse Recht. Der Kaiserkult verstärkt das monarchische Prinzip und den göttlichen Charakter des Princeps

Die Macht des Kaisers ist absolut und unbegrenzt. Er entscheidet über Krieg oder Frieden, kann die Steuern erhöhen und bestimmt über die öffentlichen Ausgaben. 

Der Kaiser verkörpert die höchste Gerichtsbarkeit: Er urteilt über Leben und Tod. 

In Aventicum manifestiert sich die kaiserliche Macht wie in anderen Städten des Römischen Reiches überall, sowohl in den gefundenen Objekten als auch in den Denkmälern.

 

1 Marc Aurele

Goldbüste des Kaisers Marc Aurel (161-180 n. Chr.). © SMRA, Foto NVP3D

 

Inszenierte Macht 1

Die grausamen Gladiatorenkämpfe und blutigen Tierjagden mit wilden Tieren, die im Amphitheater stattfanden, waren wichtiger Bestandteil des römischen Lebens und weitaus mehr als nur reine Vergnügung: Sie gehörten zur kaiserlichen Propaganda und waren eng mit dem öffentlichen Leben der Stadt verbunden. 

Die Zuschauer auf den Rängen, getrennt nach sozialen Schichten, nahmen hier an Veranstaltungen teil, bei denen die Grösse, die Macht und die Tugenden des Römischen Reiches und seines Princeps unter dem wohlwollenden Blick der Götter wirkungsvoll in Szene gesetzt wurden.

 

2.1 couteau des gladiateurs

Klappmesser mit Griff aus Elfenbein mit der Darstellung zweier Gladiatoren. © SMRA, Foto NVP3D

 

2.2 statuette de gladiateur avec casque

Bronzestatuette eines Gladiators. © SMRA, Foto NVP3D

 

2.3 mosaique 1989

Mosaik mit der Darstellung einer Löwin. © SMRA, Foto P. Lutz

Macht der Mythen

Bei den Griechen wie bei den Römern konnte die Herrschaft über ein Territorium oder über ein Volk durch das Erbe der Ahnen legitimiert werden, wie im Fall der Gründungslegende Roms: Aeneas, ein trojanischer Prinz, landet nach dem Untergang Trojas in Begleitung seines Vaters Anchises und seines Sohnes Askanius an der Küste Italiens (in Lavinium, Latium). Er vermählt sich mit der Tochter des Königs der Latiner Lavinia; sein Sohn Askanius gründet die Stadt Alba Longa und wird deren König. Aeneas und Lavinia hatten mehrere Kinder. Nach dem Epos des Vergil, der Aeneis, sind Romulus und Remus durch ihre Mutter Rhea Silvia Nachkommen des Aeneas. Ihr Vater war der Kriegsgott Mars, so vermischte sich heroische (trojanisch/latinische) mit göttlicher Herkunft.

 

3 louve

Relief mit der Darstellung der Kapitolinischen Wölfin, die die Zwillinge Romulus und Remus säugt. © SMRA, Foto NVP3D

Macht der Bilder

Die Porträts des Kaisers und der kaiserlichen Familie verherrlichten die Tugenden und die Heldentaten derer, die sie darstellten; sie brachten die Macht Roms und die Bedeutung der verschiedenen, aufeinander folgenden Dynastien zum Ausdruck; sie verkörperten die Macht an sich. Kaiserporträts waren während der gesamten Dauer des Römischen Reichs überall verbreitet. Es gab sie als Büsten, Statuen, gemalte Bildnisse oder auf Reliefs. Sie standen auf dem Forum und in den Tempeln, wo sie Teil des Kaiserkultes waren, im Theater und Amphitheater neben den Götterbildern sowie in den Gerichten, wo der Kaiser das Recht repräsentierte. Auch Münzen gehörten zum festen Bestand der kaiserlichen Propaganda. 

In tiefer Verbundenheit gelobten die Soldaten dem obersten Heerführer, dem Kaiser, Gehorsam und Treue. Die kaiserlichen Bildnisse waren ihre steten Begleiter, ob in den Militärlagern, auf den Feldzeichen, als Medaillons auf ihren Panzern oder auf dem Geschirr ihrer Pferde.

 

4.1 phalere Agrippine Majeur de verre bleu

Medaillon einer phalera aus kobaltblauer Glaspaste. © SMRA, Foto NVP3D

 

4.2 aigle

Bronzeadler. © SMRA, Foto NVP3D

 

4.3 tete de barbare mort

Kopf eines gefallenen Barbaren. © SMRA, Foto NVP3D

Macht der Symbole

Kraft und Stärke sind nicht nur Wertebegriffe der kaiserlichen Ideologie, sondern der römischen Gesellschaft ganz allgemein. In dieser patriarchalischen Gesellschaft ist die «virtus», die Tüchtigkeit (von «vir», Mann), ein männliches Ideal der Selbstdisziplin, zu dem Tapferkeit, Mannhaftigkeit und Mut gehören.

Der souveräne, mächtige Löwe verkörpert - auch als Sternbild - die Macht, aber auch die Weisheit und die Gerechtigkeit. Sein Übermass an Stolz und seine Selbstsicherheit hingegen machen ihn zum Symbol des durch seine eigene Macht verblendeten Herrschers.

Der Phallus wird unter anderem mit dem Gott Priapus in Zusammenhang gebracht. Dieses Fruchtbarkeitssymbol wurde auch eingesetzt, um Unheil abzuwenden und böse Geister zu vertreiben. Er wachte über alle gefahrvollen Orte, wie z. B. sich kreuzende Strassen, Brücken, Tore, etc. und war auch für den Schutz des Wassers zuständig. Phalloi wurden als Amulette getragen, vor Häusern aufgehängt oder schmückten Reliefs an den Hauswänden, um das Haus zu beschützen.

 

5.1 patte lion

Löwenpranke aus vergoldeter Bronze, Teil einer Herkulesstatue. © SMRA

 

5.2 cuillere pliable

Kombination von einklappbarem Messer und Löffel aus Bronze mit Griff in Löwenform. © SMRA, Foto NVP3D

 

5.3 chien phallus

Kalksteinrelief eines Phallus mit Hunde-Hinterteil. © SMRA, Foto J. Zbinden

Macht der Götter 1

Die Römer verehrten eine Vielzahl von Göttern, die sowohl italischen, griechischen als auch etruskischen Ursprungs waren. An der Spitze des römischen Götterhimmels standen Jupiter, Juno und Minerva. Einheimische wie fremde Gottheiten wurden in das römische Pantheon aufgenommen. Die Götter waren integraler Bestandteil des Alltagslebens in der Antike, begleiteten die Menschen vom ersten Atemzug des Neugeborenen an bis zum letzten des Sterbenden. Jedes Ereignis, Fest oder Spektakel wurde unter den Schutz der Götter gestellt. In seiner Funktion als Pontifex Maximus hatte der Kaiser die Oberaufsicht über die öffentlichen Kulte und das religiöse Recht. Ein Priester wurde offiziell eingesetzt, um über alles zu wachen, was mit den Göttern zu tun hatte. Magistrate konnten ebenfalls im Namen des Staates religiöse Zeremonien abhalten. Der pater familias, das Oberhaupt der römischen Familie, vollzog die für die Hausgötter vorgeschriebenen Rituale. In den Heiligtümern fanden die offiziellen Kulte statt.

 

6.1 Bacchus

Bronzestatuette des Bacchus. © SMRA, Foto NVP3D

 

6.2 main votive

Votivhand für Sabazius aus Bronze.© SMRA, Foto NVP3D

 

6.3 danseuse

Bronzestatuette einer Tänzerin (Hora ?). © SMRA, Foto NVP3D

Macht der Götter 2

Religion und Mythologie waren in den Provinzen nie rein römisch. Römische Götter verschmolzen mit einheimischen Gottheiten. Es kann nicht mehr eindeutig geklärt werden, ob es die Römer waren, die die einheimischen Götter im Sinne ihrer eigenen interpretiert haben, oder ob es umgekehrt war.

Die Kulte bestanden aus minutiös vorgeschriebenen Riten (Libationen, Opfer, Weihegaben). Diese rituellen Handlungen wurden vollzogen, um die Götter bei den alljährlichen Feiern zu ehren, um sich nach einem Fehltritt zu reinigen oder um von den Göttern zu bekommen, was man braucht (Gesundheit, Sicherheit, die sichere Rückkehr von einer Reise oder von einem militärischen Einsatz, usw.). Als Kommunikationsmittel variierten sie entsprechend der an die Gottheit gerichteten Botschaft.

 

7.1 inscription Aventia

Weihinschrift für die Göttin Aventia. © SMRA
 

Deae/Aventiae/Cn(aeus) Iul(ius)/Marcellinus/Equester/d(e) s(ua) p(ecunia).

Der Göttin Aventia (hat) Gnaeus Julius Marcellinus (aus der Colonia) Equester (dieses Denkmal) auf seine Kosten (errichten lassen).

 

7.2 tete Minerve

Teile einer monumentalen Statue der Göttin Minerva aus Kalkstein. © SMRA, Foto P. Lutz

 

7.3 inscription Mercure

Kleiner Altar mit Weihinschrift für Mercurius Cissonius. © SMRA
 

Deo/Mercur(io) Cisso(nio) L(ucius) C/Patern(us)/ex voto.

Dem Gott Mercurius Cissonius (hat) Lucius C. Paternus (dieses Denkmal errichtet lassen) nach einem Gelübde.

Macht des Ortes

Das im Herzen der Stadt gelegene Forum war ein besonderer Ort. Hier pulsierte das städtische Leben, fanden die wichtigsten sozialen Kontakte statt; hier begegnete man Politikern, Händlern – und Wucherern. Es war das Zentrum der Macht.

Hier standen auf der einen Seite ein Tempel für die offiziellen römischen Götter und den Kaiserkult und auf der anderen Seite Verwaltungsgebäude wie die Kurie, der Versammlungsort der Dekurionen. Da war auch die Basilika, die Markt- und Gerichtshalle. Berufskorporationen versammelten sich hier in von jedermann sichtbaren repräsentativen Lokalen entlang der Zugangsstrassen.

Auf dem Forum errichtete man Statuen und Denkmäler zu Ehren der kaiserlichen Familie oder für Persönlichkeiten der Stadt als Dank für erwiesene Wohltaten (Finanzierung von Spielen und Veranstaltungen, Verteilung von Nahrungsmitteln, Beitrag zur Verschönerung der Stadt, usw.).

 

8.1 banquettes lion

Fuss mit Löwendekor einer Sitzbank. Foto © SMRA

Inszenierte Macht 2

Theatervorstellungen nahmen einen wichtigen Platz im Leben der Römer ein. Das Theater war mehr als einfach nur ein Ort der Entspannung, sondern auch ein Ort der Begegnung, der Information, des Austauschs; vor allem förderte es den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wie beim Amphitheater besteht eine enge Verbindung mit der Politik: Die Finanzierung der Gebäude wurde zum grossen Teil von Magistraten übernommen, die dafür über öffentliche Gelder verfügten. Für eine gelungene politische Karriere war der Erfolg der Spiele ein wesentlicher Faktor.

In den Provinztheatern gab es vor allem Possenspiele, Pantomimen, Tänze, Gesänge, Musikdarbietungen und mythologische Darstellungen; Tragödien und Komödien wurden dagegen wohl eher selten inszeniert.

Das Theater von Avenches bildete zusammen mit dem Cigognier-Heiligtum einen weitläufigen Gebäudekomplex, der verschiedenen Zwecken, unter anderen auch dem Kaiserkult mit seinen Opfern und Riten, diente. 

 

9.1 masque acteur

Schmuckdose aus Elfenbein in Form einer Theatermaske. © SMRA, Foto NVP3D

 

9.2 statuette acteur tragique

Bronzestatuette eines Tragödiendarstellers. © SMRA, Foto NVP3D

 

9.3 mosaique theatre

Mosaik mit Theaterszene. Foto © SMRA
Römermuseum Avenches
Postfach 58
CH - 1580 Avenches
 
T : +41 (0)26 557 33 00
musee.romain@vd.ch
 
April bis September :
Dienstag bis Sonntag - 10h - 17h
Ostermontag und Pfingstmontag geöffnet; ganze Woche geöffnet im Juni
 
Oktober und Februar bis März :
Dienstag bis Sonntag - 14h - 17h
 
November bis Januar :
Mittwoch bis Sonntag - 14h - 17h. Geschlossen: 25., 26. und 31.Dezember; 1. und 2. Januar