Musée romain

Die Funde von En Chaplix

Im Rahmen des Autobahnbaus wurden in einer Entfernung von ungefähr 150 m vom Nordosttor von Aventicum am Grabungsort En Chaplix bedeutende Funde gemacht.

Um 15/10 v.Chr., zur Zeit des Kaisers Augustus (27 v.Chr. - 14 n.Chr.), wurde eine erste Kultstätte errichtet. In der Mitte eines offenen, quadratischen Bereichs, der durch einen Grenzgraben markiert wird, erhebt sich eine hölzerne Aedicula über dem Brandgrab einer Frau und möglicherweise ihres Kindes. Im Grab fanden sich zwei Fibeln, die, wie mit grosser Wahrscheinlichkeit auch die Tote, aus dem Donaugebiet oder den östlichen Alpen stammen. Dieses Grabmal war zu jener Zeit Objekt kultischer Verehrung, wie aus den zahlreichen Münzspenden hervorgeht.

Luftbild der Fundstätte En Chaplix
während der Ausgrabungen im Jahr 1989

In tiberischer Zeit (14-37 n.Chr.) erfuhr dieser Platz einen rapiden und spektakulären Aufschwung. Der Anlage einer im Nordosten aus Aventicum herausführenden Ausfallstrasse folgte der Wiederaufbau und die Erweiterung der ursprünglichen Kultstätte.

Dabei wurde die Aedicula durch einen kleinen gallo-römischen Tempel (fanum) und einen Kapellenbau ersetzt. Direkt daneben entstand ein zweiter Komplex. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um in gemauerte Fundamente eingelassene Holzbauten. Das Heiligtum wurde vor allem im 1. Jahrhundert intensiv genutzt und blieb bis ins 4. Jh. n.Chr. hinein intakt. Zwischen 23 und 28 n.Chr. wurde auf der anderen Seite der Strasse ein erstes Grabdenkmal errichtet. Um 40 n.Chr. entstand im angrenzenden Bezirk ein zweites Denkmal.

Schematisches Computermodell der Kult- und
Grabanlage von En Chaplix. Im Vordergrund die Nekropole,
im Hintergrund das Heiligtum, rechts das nördliche Mausoleum

Ab der zweiten Hälfte des 1. Jhs. entwickelte sich in unmittelbarer Nähe der Grabdenkmäler eine Nekropole, die durch Grenzgräben abgetrennt war. Die Bestattungen gehen hauptsächlich auf das 2. Jh. zurück, einige gehören bis in die Zeit des frühen 3. Jahrhunderts.

In der zweiten Hälfte des 2. Jhs. kennzeichnen zwei aus der Umfassungsmauer der Grabdenkmäler stammende Mauerabdeckungen die Gräber der Nekropole, ein Hinweis auf den Verfall der Umfriedung und auf eine mögliche Aufgabe der sakralen Verehrung dieser Toten.

Gegen Ende des 3. Jhs. wurden die Denkmäler zur Wiederverwendung der Steinblöcke als Baumaterial völlig abgetragen.

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