Musée romain

Römische Inschriften

Einige Inschriften im Erdgeschoss des Museums

Aus allen Provinzen des Römischen Reiches sind mehrere Hunderttausend Inschriften auf den verschiedensten Materialträgern erhalten.

Die Texte sind in Stein geschlagen oder als Mosaik gesetzt, auf Metallobjekten eingetieft, auf Keramik oder Ziegel gestempelt oder geritzt, auf Papyrusblättern mit Tinte geschrieben oder einfach nur auf einem Wandverputz aufgemalt. Inschriften enthalten Informationen verschiedenster Art, die zugleich der Selbstdarstellung und der Propaganda dienten wie auch den Wohlstand und das Ansehen von Körperschaften und Einzelnen zum Ausdruck bringen sollten.

Die repräsentativen Steininschriften sind im westlichen Teil des Römischen Imperiums überwiegend in lateinischer, seltener in griechischer Sprache verfasst. Sie bieten einen vorzüglichen Einblick in die unterschiedlichsten Lebensbereiche der antiken Gesellschaft und lassen sich im Wesentlichen nach dem Charakter ihres Inhalts in Bau-, Ehren-, Grab- und Weihinschriften unterteilen. Genannt sind in der Regel der Anlass oder der Adressat der Veröffentlichung. Die Aussage des Textes vermittelt zudem Hinweise zur Art des ehemaligen Aufstellungsortes.

So waren Weihinschriften den jeweiligen Kultbezirken zugeordnet, Ehreninschriften standen auf dem Forum und konnten zu öffentlich aufgestellten Statuen gehören, Bauinschriften schmückten öffentliche Bauten wie Thermen, Theater oder Brücken, und Grabinschriften reihten sich entlang den offiziellen Begräbnisplätzen ausserhalb der Wohnbezirke auf.

Die 21 Buchstaben des lateinischen Alphabetes, die zum Teil zugleich auch als Zahlzeichen dienten, wurden überwiegend als Grossbuchstaben geschrieben. Dekorative Elemente wie Rahmung, Ausmalung oder ergänzende bildliche Darstellungen konnten die Wirkung des Textes verstärken. Die Inhalte sind häufig verschlüsselt verfasst. Zahlreiche Abkürzungen waren üblich. Zwar ermöglicht die Kenntnis über die formelreiche römische Schreibweise das Dekodieren bestimmter Textstellen, aber noch immer entziehen sich einige Inhalte einer eindeutigen Definition. Da zu berücksichtigen ist, dass in der Antike viele Menschen Analphabeten waren - und schon deshalb der Form grössere Bedeutung zukommen musste als dem Inhalt -, ist davon auszugehen, dass sich die meisten Betrachter angesichts einer öffentlichen Inschrift eher an ihrem prunkvollen Aussehen erfreuten, als dass sie genau verstanden, welche Informationen vermittelt werden sollten.

Architrav mit Weihinschrift. Gestiftet von den Schiffern der Aar und des Aramus zu Ehren der kaiserlichen Familie. Kalkstein. Gefunden am Rand des Forums, östlich der insula 33. Ende 2. Jh. n.Chr.
In honorem domus divinae [na]utae Aruranci Aramici scholam de suo instruxerunt [l(ocus)] d(atus) d(ecreto) d(ecurionum)
Zu Ehren des göttlichen (Kaiser)hauses liessen die Schiffer der Aar und des Aramus diese schola auf eigene Kosten erbauen. Der Aufstellungsort wurde durch Beschluss des Stadtrates bestimmt

Die Herstellung einer in Stein geschlagenen Inschrift verursachte beträchtliche Kosten. Zu den Ausgaben, die von der Qualität des Materials und der Grösse des Epigraphs bestimmt wurden, addierten sich gewöhnlich die Löhne unterschiedlicher Spezialisten. Zunächst verfasste ein Schriftgelehrter (auctor) den Text, anschliessend entwarf ein Gestalter (ordinator) unter Beachtung der Steindimensionen das Layout, sodann übertrug ein Maler (pictor) den Entwurf auf das zukünftige Denkmal, und schliesslich führte ein Steinmetz (lapidarius) die Gravuren aus. Auch wenn die Kosten im einzelnen heute nicht mehr genau kalkuliert werden können, ist doch zu vermuten, dass der oder die Auftraggeber einer Inschrift im allgemeinen zur wohlhabenderen Bevölkerung zählte.

Pilasterkapitell mit Weihinschrift an die Lugoven. Das Kapitell diente als Sockel für mehrere Statuen. Ende 2./ Anfang 3. Jh. n.Chr. Gefunden im Bereich zwischen der Umfassungsmauer des Grange des Dîmes-Tempels und der Cella des Cigogniertempels

 

Die Steininschriften von Avenches/ Aventicum

Etwa 150 Steininschriften sind bisher aus der römischen Stadt Aventicum bekannt. Einige von ihnen besitzen derart monumentale Proportionen, dass ihre Präsentation in den heute zur Verfügung stehenden Ausstellungsräumen nicht möglich ist.

Häufig sind Ehreninschriften, auf denen einzelne Bürger mit ihren Ämterlaufbahnen und ihren Verdiensten um die helvetische Gemeinde oder die römische Kolonie hervorgehoben wurden. Dabei kristallisiert sich das Bild heraus, dass in der Verwaltung und den politischen Ämtern Familienclans zumindest zeitweise eine beherrschende Rolle spielten. Die Geschicke der Stadt wurden demzufolge offenbar nicht unwesentlich vom Einfluss und Eigeninteresse einzelner Familien bestimmt.

Anhand der zahlreichen Weihungen ist sowohl eine Annäherung der Bevölkerung an die römische Götterwelt als auch das Festhalten an gallo-keltischen Glaubensvorstellungen belegt. Bemerkenswert ist die relativ grosse Anzahl von Personen, die als Priester innerhalb des Kaiserkultes ein Amt ausübten. Mindestens drei Zufahrtswege vor den Toren der Stadt Aventicum konnten als sogenannte Gräberstrassen identifiziert werden, die von Grabsteinen gesäumt waren. Neben der sehr unterschiedlichen Ausgestaltung der erhaltenen Grabmale fällt auf, dass die Inschriften vergleichsweise kurz gehalten und die Gravuren zum Teil eher nachlässig ausgearbeitet sind.

Einige Texte bezeugen das kostspielige Engagement, mit dem Einzelne für die Instandhaltung und den Ausbau öffentlicher Bauwerke sorgten. Auffallend ist die häufige Erwähnung von sogenannten scholae, bei denen es sich wohl um Ehren- oder Versammlungshallen handelte. Demnach zählte in Aventicum offenbar nicht nur das Aufstellen von Statuen nebst Postament und Inschrift der öffentlichen Würdigung verdienter Bürger, sondern wohl auch die Erlaubnis zur Errichtung einer schola.

Altar mit Weihinschrift für die Göttin Aventia und den Genius der Stadtbewohner (incolae) von Avenches. 2.-3. Jh. n.Chr. Aufstellungsort unbekannt
Deae Aventiae et Gen(io) incolar(um) T(itus) Ianuarius Florinus et P(ublius) Domitius Didymus curatores col(oniae) ex stipe annua adiectis de suo (sestertiis) n(ummum) ID A la déesse Aventia et au Génie des habitants domiciliés (incolae).
Der Göttin Aventia und dem Genius der Stadbewohner (incolae) (liessen) Titus Ianuarius Florinus und Publius Domitius Didymus, Vorsteher der Kolonie, (dieses Denkmal errichten) aus den jährlichen Spendeeinnahmen und zusätzlichen 1500 Sesterzen aus ihren eigenen Mitteln
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